Stapler im Hafenbetrieb

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Stapler im Hafenbetrieb – wo jede Minute zählt

Der internationale Handel findet zu rund 90 Prozent auf dem Seeweg statt. Für Deutschland, eine der weltweit führenden Exportnationen, ist daher eine stabile und moderne maritime Infrastruktur von besonderer Wichtigkeit, um auch in Zukunft gegen stärker werdende Wettbewerber (vor allem aus Fernost) bestehen zu können.

Stapler im Einsatz am Hafen © sorapop, fotolia.com
Stapler im Einsatz am Hafen © sorapop, fotolia.com

Weltweit nimmt Deutschland nach China, Japan und Griechenland den vierten Platz beim Schiffseigentum und der wirtschaftlichen Bedeutung von Schiffen ein und liegt damit noch vor Singapur und den USA. Ende 2015 befanden sich mehr als 3.000 Handelsschiffe mit einer Kapazität von 78,1 Millionen BRZ im Eigentum von deutschen Schifffahrtsgesellschaften. Mehr als 380.000 Beschäftigte in Deutschland sind mit der maritimen Wirtschaft und den angebundenen maritimen Dienstleistern tätig. Davon profitieren nicht nur die Küstenregionen, sondern alle Bundesländer, besonders Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen.

Containerstapler
Containerstapler und Reach Stacker © Hyster Germany GmbH

Der Seeverkehr wird international in verschiedene Märkte unterschieden:

  • Deep Sea Shipping, der interkontinentale Seeverkehr zwischen Europa und Fernost oder Europa und Amerika,
  • Short Sea Shipping bezeichnet die Güterverkehr zwischen europäischen Häfen und Häfen, die in Nicht-EU-Ländern liegen und eine Küstenlinie an den an Europa angrenzenden Binnenmeeren haben,
  • River Sea Shipping, das Seewege wie Flüsse und Kanäle nutzt, sowie
  • Feederverkehre, also die Zuführung oder Weiterleitung von Containern im Vor- oder Nachlauf interkontinentaler Containerverkehre.

Entscheidend für den funktionierenden Seeverkehr sind natürlich Häfen, also Orte, an denen Schiffe anlegen, ihre Fracht löschen und neue aufnehmen können. Passagiere können hier ebenfalls das Schiff verlassen und an Land gehen. Unterschieden werden Binnenhäfen, die an Flüssen, Seen oder Kanälen liegen, und Seehäfen, die an der Küste zur See oder einem Ozean gelegen sind. Der größte deutsche Binnenhafen ist der Ruhrorter Hafen in Duisburg, auf dessen Gelände im Jahr 2015 rund 52 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen wurden. Das sind mehr als 40 Prozent des gesamten Güterumschlags aller deutschen Binnenhäfen.

Etwa 90 Prozent aller Waren und Güter erreichen Deutschland auf dem Seeweg, daher müssen die logistischen Prozesse auf dem Wasser und im Hafen so gestaltet sein, dass jedes Schiff möglichst schnell und ohne lange Wartezeiten gelöscht wird. Erschwert wird dieser Prozess durch die Tatsache, dass viele Häfen, darunter auch der Hamburger Hafen, der wichtigste deutsche Seehafen und Deutschlands Tor zur Welt, keine Möglichkeiten haben, ihr Territorium zu erweitern und auszudehnen. Um dennoch immer mehr Güter in immer kürzerer Zeit umschlagen zu können, setzen die Hamburger Betreiber auf Automatisierungen und auf gut eingespielte Zusammenarbeit von Mensch und Maschine an den Terminals und Docks. So konnten beispielsweise im Jahr 2015 insgesamt 137,8 Millionen Tonnen umgeschlagen werden, davon alleine 90,6 Millionen Tonnen in Containern.

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Die Lego-Bausteine der Seelogistik

Wenn von Containern die Rede ist, sind meistens ISO-Container gemeint, die erstmals im Jahr 1956 eingeführt und deren Maße Mitte der 1960er Jahre im Rahmen einer internationalen Konferenz in Paris normiert wurden. Seitdem hat sich der international genormte Großraumbehälter weltweit durchgesetzt, denn er ermöglicht die einfache und schnelle Verladung, Beförderung, Lagerung und Entladung von Gütern aller Art.

Containerstapler
Containerstapler © Jeanette Dietl, fotolia.com

Die gängigsten ISO-Container besitzen eine Breite von acht Fuß (2,4384 m) und sind entweder 20 Fuß (6,96 m) oder 40 Fuß (12,192 m) lang. International haben sich für diese die Bezeichnungen TEU (Twenty-foot Equivalent Unit) bzw. FEU (Fourty-foot Equivalent Unit) durchgesetzt, mit denen auch die Kapazitäten von Containerschiffen oder die Umschlagsmengen von Containerterminals definiert werden.

Diese Container sind die eigentlichen Ermöglicher einer auch in ihren Handelsbeziehungen immer weiter zusammenwachsenden Welt. Der Containermarkt wächst seit Jahrzehnten stabil und oft rasanter als die Weltwirtschaft – immerhin hat er es überhaupt möglich gemacht, dass alle Güter aus sämtlichen Winkeln der Welt günstig und sicher transportiert werden können. Jeder Container ist mit einer eindeutigen Kombination aus Buchstaben und Ziffern gekennzeichnet. Zunehmend sorgt auch RFID- und andere Funktechnologie dafür, dass sich die Container elektronisch noch schneller identifizieren lassen.

Ohne starke Hilfe bewegt sich nichts

Der Warenumschlag ist durch Container massiv beschleunigt und gesteigert worden, doch dazu war auch eine entsprechende technische Unterstützung notwendig. Um einen bis zu mehrere Tonnen Güter enthaltenden Container zu bewegen, werden keine klassischen Gabelstapler eingesetzt. Diese kommen allenfalls zum Einsatz, wenn die TEU und FEU am Boden be- oder entladen werden müssen. Um die Container selbst zu bewegen, müssen entweder Schwerlaststapler mit speziellen Lastaufnahmemitteln, Containerstapler oder Reach Stacker aufgefahren werden.

Die Container sind an den Eckbeschlägen mit Twistlock-Verriegelungen versehen, mit denen sie beim Transport auf dem Schiff miteinander verbunden werden können. Im Hafen werden die Verriegelungen dann genutzt, um die Container sicher zu transportieren. Dazu werden die Twistlocks horizontal oder vertikal mit dem Aufnahmesystem verbunden, alternativ können sie auch mit Haken oder Seitenklammern gesichert werden.

Reach Stacker

Reach Stacker © Hyster
Reach Stacker © Hyster

Reach Stacker (auch Greifstapler genannt) sind Flurförderzeuge, die mit bis zu 100 Tonnen Eigengewicht Lasten von 50 Tonnen oder mehr aufnehmen und umsetzen können. Anders als bei konventionellen Gabelstaplern verfügen sie nicht über eine Gabel, die beweglich an einem Hubgerüst befestigt ist, sondern sind mit einem zum jeweiligen Containertyp passenden Spreader, einem speziellen Containergeschirr, ausgestattet. Dieses befindet sich am Ende eines schrägen Armes, der vom Fahrer aus der Kabine heraus gesteuert wird. Ein Reach Stacker erinnert optisch eher an einen Teleskopkran oder Teleskoplader als an einen Stapler, denn er nimmt die Last von oben (und nicht wie bei einem Gabelstapler von unten) auf. Hierdurch ist der Reach Stacker in der Lage, Container über andere Ladeeinheiten hinweg zu greifen oder abzusetzen. Im Vergleich zu einem fest installierten Portalkran sind Reach Stacker zudem flexibler und wendiger und werden daher insbesondere in kleineren Container-Terminals eingesetzt.

Containerstapler

Containerstapler © SVETRUCK Deutschland GmbH
Containerstapler © SVETRUCK Deutschland GmbH

Containerstapler sind speziell konstruierte Frontstapler, die je nach Bauart für leere oder volle Container geeignet sind. Gemeinsam ist beiden Varianten, dass sie über einen Hubmast verfügen, der oftmals deutlich höher reicht als der eines klassischen Frontstaplers. Auch die Tragfähigkeit von Containerstaplern ist erheblich höher – schließlich bringt ein leerer 20-Fuß-Container rund 2,3 Tonnen Eigengewicht auf die Waage. Leistungsfähige Leercontainerstapler verfügen daher über eine Tragfähigkeit von bis zu neun Tonnen, während Modelle für das Handling von vollen Containern auch mehr als 50 Tonnen Gewicht aufnehmen können – und das in Höhen von bis zu 12 Metern oder noch höher.

Angetrieben werden diese Schwerlastgeräte, die schon alleine aufgrund ihrer Größe, ihres Eigengewichtes und ihrer Ausladung nur im Freien eingesetzt werden können, mit starken Dieselmotoren und auf Höchstleistungen ausgelegten Getrieben. Hersteller wie Linde, Hyster, Kalmar oder Svetruck haben eigene Modellreihen für den Containerumschlag entwickelt und sind vielfach in Hafenterminals und bei Hafenlogistikern im Einsatz.

Schwerlaststapler

Kalmar Schwerlaststapler DCG330 © Kalmar
Schwerlaststapler © Kalmar

Vergleichbares gilt für Schwerlaststapler, wie sie beispielsweise Hyster oder Kalmar fertigen. Sie sind durch das deutlich in die Länge gezogene Chassis gut von klassischen Frontstaplern zu unterscheiden, denn Tragfähigkeiten von bis zu 50 Tonnen und darüber erfordern ein ausreichendes Gegengewicht und einem möglichst tiefen und breiten Schwerpunkt des Staplers. Schwerlaststapler sind sowohl mit Elektro- als auch mit Dieselantrieb erhältlich. Allerdings sind Dieselmotoren hier ebenfalls verbreiteter, da nur sie die notwendige Leistung bringen, um auch schwerste Lasten schnell horizontal und vertikal zu bewegen.

Im Vergleich zu einem Reach Stacker sind Stapler wendiger und schneller, können allerdings Container nur in der ersten Reihe aufnehmen oder absetzen. Aus diesem Grund finden sich in Hafenterminals meist mehrere unterschiedliche Geräte, die bei der Be- oder Entladung zusammenarbeiten. Um das Schiff möglichst rasch zu entladen, werden die Container mit einem Portalkran oder Reach Stacker schnell gelöscht und die Container in verschiedenen Ladezonen zwischengelagert. Dort werden dann Schwerlast- oder Containerstapler eingesetzt, um die einzelnen Container etwa auf Güterwagons oder LKW-Brücken umzusetzen oder sie noch im Hafen zu entladen und umzupacken.

Nur ein Staplerschein reicht nicht: Zusatzausbildung für Staplerfahrer

Durch die Entwicklung von ISO-Containern und den passenden Stapler, die diese aufnehmen und transportieren können, hat sich der Durchsatz im Seeverkehr in den letzten Jahren und Jahrzehnten kontinuierlich erhöht. Das führte wiederum dazu, dass immer größere Frachtschiffe mit mehr Ladekapazität in Betrieb genommen werden, so dass im Hafen bei einer Schiffsladung heute ein Vielfaches der Containeranzahl bewegt werden muss, bis der Liegeplatz wieder freigegeben werden kann.

Für Staplerfahrer, Kranführer und Bediener von (halb-)automatischen Anlagen bedeutet das, dass sie in der Regel unter Zeitdruck und hohem Stress arbeiten müssen und sich dennoch keinen einzigen Fehler erlauben dürfen. Da sie zudem mit Geräten arbeiten, deren Tragkraft oberhalb von zehn Tonnen liegt, müssen sie ihre Eignung durch eine Zusatzausbildung nachweisen. Diese ist im DGUV-Grundsatz 308-001 (BGG 925) vorgeschrieben und muss ergänzend zur Grundausbildung am Gabelstapler, die durch den Flurfördermittelschein nachgewiesen wird, absolviert werden. Wenn diese Zusatzqualifikation erworben wurde, wird das im Staplerschein dokumentiert. Allerdings sind auch mit der Zusatzqualifikation eine Einweisung am Gerät sowie eine schriftliche Beauftragung durch den Arbeitgeber erforderlich.

Damit die Bediener während ihrer Arbeit konzentriert sind und bleiben, sind die Geräte so gestaltet, dass sich alle Funktionen ermüdungsfrei und mit kleinen Bewegungen erreichen und nutzen lassen. Zudem sorgen große und erhöhte Kabinen dafür, dass der Staplerfahrer jederzeit einen optimalen Blick auf die Last und die Umgebung hat, und das nicht nur nach vorne, sondern in alle Richtungen. Elektronische Sicherungssysteme sollen gewährleisten, dass beim Anheben und Bewegen von Lasten keine Gefahr für Mensch, Maschine oder Material besteht, etwa durch unzureichende Ladungssicherung oder bei Verschiebungen des Lastschwerpunktes.

Tipps für die Auswahl geeigneter Flurförderzeuge im Hafenbetrieb

Hafenstapler sind Spezialmaschinen, die ihre Stärken nur innerhalb eines klar definierten Einsatzfeldes ausspielen können. Daher ist bei der Entscheidung für ein bestimmtes Modell und Gerät zunächst genau zu klären, welche und wie viele Lasten stündlich oder täglich bewegt werden müssen und in welchem Bereich.

So eignen sich bauartbedingt Container- oder Schwerlaststapler nur dafür, Container in der ersten Reihe zu bewegen, was bei mehrreihiger Lagerung zusätzliche Umlagerungen erfordert. Reach Stacker hingegen können auch über mehrere Reihen Container hinweggreifen und so selbst Höhenunterschiede problemlos überwinden, etwa zwischen tiefergelegenem Kai und dem obersten Container auf dem Schiff.

Neben dem Einsatzprofil sollten auch die Leistungs- und Verbrauchsdaten verschiedener Modelle und unterschiedlicher Hersteller verglichen werden, denn neben den vergleichsweise hohen Anschaffungskosten steigen insbesondere bei langem und intensivem Einsatz die Unterhaltskosten immer weiter an. Ob sich der Aufwand lohnt, kann durch das Bewerten der Total Cost of Ownership (TCO), bei der in die Gesamtkosten neben den Anschaffungs- auch die Betriebskosten über die zu erwartende Einsatzdauer eingerechnet werden, eingeschätzt bzw. vorherbestimmt werden.

Gerade bei einer so intensiven Investition wie der in einen Hafenstapler sollte die Entscheidung jedoch nie allein anhand von Datenblättern, also basierend auf Herstellerversprechen, getroffen werden. Es ist unverzichtbar, die Geräte, die in der engeren Auswahl stehen, in Aktion zu erleben und vom eigenen Personal ausprobieren zu lassen. Daher ist es auch durchaus üblich, die Stapler bei Referenzkunden des Anbieters im Produktiveinsatz zu begutachten, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wird. Wichtig ist dabei, dass die Arbeitsabläufe und Prozesse denen im eigenen Unternehmen möglichst ähnlich sind, um eine valide Vergleichsmöglichkeit zu haben.

Auf Staplerberater.de haben wir zusätzlich für Sie eine Vielzahl an kostenlosen E-Books und Checklisten für den Auswahlprozess bereitgestellt. Sie können die aktuell sieben E-Books ohne Anmeldung und vollkommen kostenlos herunterladen und einsetzen. Darin finden Sie verständliche und umfassende Informationen zu verschiedenen Staplerarten, einzelnen Funktionselementen oder zur täglichen Einsatzprüfung durch den Staplerfahrer.

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