Stapler in der Chemieindustrie

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Nach Automotive und Maschinenbau reiht sich die Chemieindustrie auf Platz 3 der umsatzstärksten Industriezweige in Deutschland ein. Sie ist damit seit Jahrzehnten ein wesentlicher Motor für wirtschaftliche Stabilität und Wachstum in der Bundesrepublik und stellt gleichzeitig besonders hohe Anforderungen an die eingesetzte Technik. Denn Transport, Umschlag und Verarbeitung von chemischen Rohstoffen sind ohne hochmoderne technische Unterstützung nicht möglich. Das betrifft nicht nur förder- oder produktionstechnische Anlagen, sondern auch die eingesetzten Flurförderzeuge (FFZ), die gewährleisten, dass die oft gefährlichen und schweren Güter sicher, schnell und kosteneffizient transportiert werden.

Breitspurstapler mit Fasskippklammern © Sichelschmidt GmbH
Breitspurstapler im EInsatz in der Chemieindustrie © Sichelschmidt GmbH

Dabei bewegen sich Stapler und Flurförderzeuge nicht selten auch in Bereichen mit erhöhten Risiken für Mensch, Maschine und Umwelt. Neben hohen Anforderungen an die Hygiene ist in der Chemieindustrie vor allem der Explosionsschutz zu berücksichtigen. Schließlich stellen brennbare Gase, Flüssigkeiten oder Stäube eine permanente Gefährdung dar, die durch geeignete technische Maßnahmen beherrscht werden muss.

Doch auch hohe Transportgewichte und eine Vielzahl unterschiedlicher Ladungsträger beanspruchen die eingesetzte Staplerflotte stärker als in anderen Industriebereichen. Zudem müssen strenge Sicherheitsanforderungen eingehalten werden, um Unfälle beim Umgang mit Gefahrstoffen zu verhindern. Denn diese können sich schnell zu einer Katastrophe entwickeln, die das gesamte Unternehmen oder sogar die gesamte Region gefährden könnten.

Einsatzbereiche und technische Anforderungen in der Chemieindustrie

In keinem anderen Industriezweig werden so viele Gefahrstoffe verarbeitet, gelagert und transportiert wie in der chemischen Industrie. Dabei handelt es sich um Gase, Flüssigkeiten, pastöse oder feststoffliche Stoffe in oftmals großen Mengen, die bereits beim sachgemäßen Umgang risikobehaftet sind. Oft giftig, brennbar, explosionsgefährlich, ätzend oder umweltschädigend – um die Risiken zu minimieren, müssen Ladungsträger, Staplertechnik und Bediener optimal zusammenarbeiten.

Gefahrenstelle Hallentor Gabelstapler
Gabelstapler befördert sperrige Last © Toyota

Stapler in der chemischen Industrie werden vor allem eingesetzt, um im innerbetrieblichen Transport große und oft auch sperrige Lasten zu transportieren. Neben palettierten Gütern werden hier auch andere, teilweise nur in diesem Industriezweig eingesetzte Ladungsträger wie Fässer, Boxcontainer, Mulden oder IBC (Intermediate Bulk Container) eingesetzt, was besondere Anforderungen an die Lastaufnahmemittel stellt. Die Anforderungen an Lagerung und Transport stellen nicht zuletzt die Güter selbst, etwa was bestimmte zulässige Temperaturbereiche oder den erschütterungsfreien Transport angeht.

Werden Stapler und andere FFZ nicht nur im Lager, sondern auch zur Ver- und Entsorgung der Produktion eingesetzt, müssen die Geräte außerdem für den Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen geeignet sein. Denn insbesondere bei Gasen und Stäuben, die im Zusammenwirken mit Luft oder Sauerstoff eine explosionsfähige Atmosphäre erzeugen, kann bereits ein kleiner Funken eine Katastrophe auslösen und schwere Schäden verursachen.

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Sicherheit hat oberste Priorität

Aus dem oben genannten Grund dürfen in gefährdeten Bereichen nur speziell ausgestattete Stapler mit Ex-Schutz eingesetzt werden. Die gesetzliche Grundlage dafür findet sich in den ATEX-Richtlinien der EU, die explosionsgefährdete Zonen nach der Häufigkeit und Dauer des Auftretens gefährlicher Atmosphären definiert. In Zonen der Klasse 0 besteht das höchste Risiko aufgrund einer ständigen, über lange Zeiträume oder häufig auftretenden explosionsgefährlichen Atmosphäre, während im Normalbetrieb in Zone 2 eine gefährlich explosionsfähige Atmosphäre nicht oder nur kurzzeitig auftritt.

Technisch stellt der Ex-Schutz die Hersteller von Staplern, FFZ und Anbaugeräten vor einige Herausforderungen, denn es müssen spezielle Lösungen gefunden werden, um sowohl die Gefahr einer Explosion im Normalbetrieb zu vermeiden als auch potentiell gefährliche Atmosphären frühzeitig zu erkennen und den Fahrer entsprechend zu informieren. Unternehmen, die Geräte mit Ex-Schutz für die Zonen 1, 2, 21 oder 22 einsetzen, sollten daher konkret darauf achten, dass sämtliche Komponenten und die Geräte selber nach den strengen Richtlinien der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig oder der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) geprüft und zertifiziert wurden. Auch der TÜV stellt nach eingehender Prüfung Konformitätserklärungen aus und sorgt damit dafür, dass bei der Arbeit mit solchen Geräten keine Gefährdungen für Mensch, Maschine oder Material entstehen.

MIAG Gabelstapler © MIAG
Explosionsgeschützter, kompakter Elektro-Gabelstapler zum Innen- und Außeneinsatz © MIAG

Erkennbar sind Ex-Schutz-Geräte an der Kennzeichnung mit dem ATEX-Logo (Ex-Zeichen im Rechteck) sowie dem CE-Zeichen. Das verbindlich vorgeschriebene Label gibt zudem Auskunft darüber, in welcher Kategorie gemäß AMEX-Richtlinie 94/9/EG das Gerät eingeordnet wird, für welche Zonen es also geeignet ist.

Beim präventiven Ex-Schutz gilt es, jede Funkenbildung und die Entwicklung von hohen Oberflächentemperaturen zu verhindern. Das betrifft vor allem, aber nicht ausschließlich, den Antrieb. Denn sowohl bei Diesel- als auch bei Elektroantrieb müssen technische Vorkehrungen getroffen werden, um die Explosionsgefährdung zu beherrschen. Das betrifft bei elektrisch angetriebenen Staplern auch die Ladestationen, die ebenfalls funkenfrei ausgeführt sein müssen.

Eine druckfeste Kapselung sämtlicher explosionsgefährdeter Bauteile, vom Motor über die Steuerung bis zur Beleuchtung, verhindert die Funkenbildung und reduziert damit das Risiko einer spontanen Explosion. Selbst vermeintliche Kleinigkeiten wie die Hupe müssen berücksichtigt werden: So wird bei Ex-Schutz-Staplern etwa eine klassische Hupe mit Blasebalg verbaut statt einer elektronisch gesteuerten. Des Weiteren müssen sämtliche Kabel abgeschirmt werden, um Lichtbögen und Funken zu verhindern.

Für Stapler im Außeneinsatz stehen als sichere Alternative Flächenheizungen zur Verfügung, die mit Wärmestrahlung arbeiten wie ein Kachelofen. Sie bieten den Vorteil, dass sie in der Kabine für eine angenehme Arbeitstemperatur sorgen, ohne dabei Funken, Flammen oder punktuell große Hitze zu erzeugen.

Je nach Einsatzgebiet kann es darüber hinaus erforderlich sein, zusätzlich zu den genannten präventiven Maßnahmen auch die Atmosphäre aktiv mit Gas- oder Staubdetektoren zu überwachen. Erkennt der Detektor eine gefährliche Sättigung der Atmosphäre etwa mit explosionsgefährlichen Gasen, kann je nach Konzentration eine Warnung an den Fahrer ausgelöst werden, der dann noch ausreichend Zeit hat, das Gebiet zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Der Stapler reagiert auf eine geringere Konzentration mit einem Warnsignal und schaltet sich bei einer zu hohen Konzentration automatisch ab.

Auch Gabelzinken stellen eine potentielle Gefährdung dar. Denn sie können, beispielsweise beim Rangieren, mit anderen Metallen in Kontakt gelangen und dann Funken schlagen. Stapler mit Ex-Schutz werden daher mit ummantelten Gabelzinken versehen, um dieses Risiko auszuschließen. Zu einer vollständigen Ex-Schutz-Ausrüstung zählen zudem passive Schutzmaßnahmen zur Vermeidung von statischer Aufladung – etwa eine dauerhafte Erdung des Geräts mit einem Antistatikband, antistatische Stoffe zum Beziehen von Armlehne und Fahrersitz sowie ableitfähige Reifen.

Höchste Konzentration bei der Lastaufnahme
Höchste Konzentration bei der Lastaufnahme

Viele Hersteller bieten des Weiteren Sicherheitspakete für ihre Geräte an, mit denen sichergestellt werden soll, dass die damit ausgerüsteten Geräte nur von befugten und beauftragten Fahrern genutzt werden können. Diese Personen erhalten dann eine persönliche Chipkarte, einen RFID-Transponder oder einen PIN-Code, mit dem sie sich am Gerät an- und abmelden. Zusätzlichen Nutzen bieten solche personalisierten Zugänge, wenn damit nicht nur die Bedienung ermöglicht wird, sondern gleichzeitig auch der Fahrer seine persönlichen Vorlieben und Einstellungen – etwa was die Höhe und Position des Fahrersitzes oder der Bedienelemente – mit seinem Profil verknüpfen und dann automatisch einstellen lassen kann.

Tipps für die Auswahl des richtigen Staplers

Neben den sicherheitstechnischen Aspekten müssen Stapler in der Chemieindustrie vor allem unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden. Ex-Schutz-Maßnahmen wirken sich deutlich auf den Anschaffungspreis und die Kosten für Wartung und Reparatur aus. Daher sollten jeweils nur solche Geräte und Ausstattungen eingesetzt werden, die in der vorgesehenen Einsatzzone auch tatsächlich erforderlich sind. Denn während ein Ex-Schutz für die Zone 2 mit verhältnismäßig geringem technischen und finanziellen Mehraufwand zu realisieren ist, sind Stapler für die Zone 1 technisch sehr viel anspruchsvoller und damit teurer.

Die Entscheidung für oder gegen Gasdetektoren sollte ebenfalls im Vorfeld anhand der konkreten Risikosituation getroffen werden. Denn nicht nur kann ein solches Gaswarnsystem den reibungslosen Betriebsablauf beeinträchtigen oder sogar komplett blockieren, sondern einige Systeme müssen täglich gewartet und kalibriert werden, um die einwandfreie Funktion zu gewährleisten. Hierdurch erhöht sich zum einen der anzusetzende Kostenanteil für Wartung deutlich, auch die tägliche Betriebszeit des Staplers wird durch eine solche technische Einrichtung reduziert.

Sichelschmidt: Ausschnitt aus dem Produktprogramm © Sichelschmidt GmbH
Sichelschmidt: Ausschnitt aus dem Ex-Schutz-Produktprogramm © Sichelschmidt GmbH

Stapler in der chemischen Industrie, besonders die Modelle mit Ex-Schutz, werden verhältnismäßig lange genutzt. Eine mittlere Lebens- und Nutzungsdauer von 12 Jahren ist hier die Regel und wird durch hochwertige Komponenten und ausgereifte Technik ermöglicht. Dabei gilt: Je länger die zu erwartende Nutzungsdauer des Gerätes ist, desto bedeutsamer werden die Folgekosten für Betrieb, Unterhalt und Wartung, die über die Nutzungsdauer leicht 50 Prozent der Gesamtkosten ausmachen können.

Flurförderzeuge und Stapler in der Chemieindustrie werden in unterschiedlichen Ausführungen angeboten. Ihre Tragfähigkeit reicht von etwa 200 kg bei Hand- oder Niederhubwagen bis in den Bereich von 10 Tonnen oder mehr. Ähnlich sieht es bei der möglichen Hubhöhe aus: Die Auswahl reicht von Modellen mit wenigen Zentimetern Freihub bis zu Höhen von 10 Metern oder mehr bei Kommissionierern.

In der Chemieindustrie müssen häufig andere Ladungsträger als Paletten transportiert werden, beispielsweise Box- oder andere Container, die nicht immer unterfahrbar sind. Flüssige Produkte werden meist in Fässern gelagert und bewegt, die aus Arbeitssicherheits- oder Kostengründen ohne untergestellte Palette zu transportieren sind. Hierfür bietet beispielsweise Sichelschmidt, der Marktführer in Ex-Schutz-Modellen, eine Lösung in Form eines auf einem Elektro-Deichselstapler basierenden Modells mit verkürztem Hubmast und speziellem Lastaufnahmemittel mit Greifern an. Der Vorteil solcher Spezialisten liegt im besonders sicheren und schnellen Transport spezieller Ladungsträger. Allerdings eignen sie sich nicht im Umkehrschluss für andere Ladungsträger.

Der Faktor Mensch und die Sicherheit

Ein ebenfalls wichtiges Thema ist die Ergonomie für den Fahrer oder Bediener. Denn sie trägt maßgeblich dazu bei, dass das Fahrzeug sicher und ermüdungsfrei zu bedienen ist. Sinnvoll sind dabei neben den bereits erwähnten verstellbaren Bedienelementen und Fahrersitzen luftgefederte Sitze zur Vermeidung von Humanschwingungen sowie ein möglichst großes Blickfeld in alle Richtungen für den Fahrer.

Elektro-Gabelstapler im Einsatz © Toyota
Elektro-Gabelstapler im Einsatz © Toyota

Neben der technischen Unterstützung müssen Staplerfahrer in der chemischen Industrie sich jedoch immer darüber im Klaren sein, dass sie täglich mit gefährlichen Stoffen in großen Mengen umgehen und daher besonders umsichtig und vorsichtig fahren müssen. Gerade in Stoßzeiten mit viel operativer Hektik müssen sie souverän agieren, mögliche Gefahren für sich und andere frühzeitig erkennen und rechtzeitig reagieren.

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