Stapler in der Glasindustrie

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Stapler in der Glasindustrie

Glas ist ein universeller Werkstoff mit zahlreichen Einsatzmöglichkeiten: als flaches Fensterglas, als Glasbehälter oder in Form von Spezialglaslösungen für Industrie, Forschung und Bauwesen. Und das nicht erst seit der Neuzeit: Schon die alten Ägypter kannten und schätzten die Eigenschaften dieses amorphen Feststoffes. So gilt ein Glaskelch des Pharaos Thutmosis III, der etwa auf die Zeit um 1450 v. Chr. datiert wird, als das älteste bekannte Glasgefäß der Menschheitsgeschichte. Und auch, wenn sich die Herstellungsmethoden, Bestandteile und Anwendungsmöglichkeiten in den letzten 3.500 Jahren verfeinert haben, sind die wesentlichen Aspekte dennoch gleich geblieben.

Gabelstapler in der Fenster Industrie © industrieblick, fotolia.com
Gabelstapler in der Fenster Industrie © industrieblick, fotolia.com

Chemisch betrachtet ist Glas ein anorganisches Schmelzprodukt aus den Hauptbestandteilen Siliziumoxid, Natriumoxid und Calciumoxid. Diese werden bei hohen Temperaturen von 1.400 °C und höher eingeschmolzen und in die gewünschte Form gebracht. Weitere Zusatzstoffe sorgen z. B. für eine Färbung des Glases oder für bestimmte Eigenschaften.

Die deutsche Glasindustrie stellte im Jahr 2016 beeindruckende 7.398.000 Tonnen Glas für deutsche und internationale Kunden her. Der Gesamtumsatz belief sich auf rund 9,3 Milliarden Euro. Den größten Anteil daran machte mit mehr als 3,7 Milliarden Euro der Bereich Flachglasveredelung aus, etwa für Solarpanels oder die Automobilindustrie. Und die deutsche Glasindustrie hat auch international einen exzellenten Ruf, denn mehr als die Hälfte der Produktion geht in den Export. Die Unternehmen der Glasindustrie beschäftigen aktuell etwa 53.000 Mitarbeiter, die sich auf die Branchen

  • Behälterglas,
  • Flachglas,
  • Gebrauchs- und Spezialglas sowie
  • Glasbearbeitung und -veredelung

aufteilen. Und nicht nur beim Export liegt die Glasindustrie weit vorne: Auch in Bezug auf den Energieverbrauch ist die Glasherstellung führend, denn nur wenige andere Industriebereiche sind ähnlich energieintensiv. Gründe hierfür sind die hohen Temperaturen, die für die Glasfertigung und Glasverarbeitung erforderlich sind, sowie die Öfen und Maschinen, die auf diesen Temperaturen nicht nur kurzzeitig, sondern ununterbrochen gehalten werden müssen.

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Schwer und zerbrechlich: Glas stellt hohe Anforderungen

Die Glasfertigung ist, von wenigen handwerklichen Betrieben abgesehen, hoch automatisiert. Anders wäre eine Produktion auf diesem Niveau auch kaum möglich. Stapler und Flurförderzeuge kommen in erster Linie am Ende des Produktionsprozesses zum Einsatz, dem sogenannten „kalten Ende der Glasindustrie“, wenn die fertigen oder halbfertigen Glaserzeugnisse verladen werden müssen.

Behälterglas wird nach der Formgebung und Kühlung automatisch auf Paletten gestapelt und dann in einer speziellen Verpackungsanlage mit Schrumpffolie versandbereit gemacht. Die Folierung dient sowohl der Transportsicherung als auch dem Witterungsschutz der Behälter, die vor allem an die Lebensmittel- und Getränkeindustrie geliefert werden.

Glasherstellung © Bundesverband Glasindustrie e.V.
Glasherstellung © Bundesverband Glasindustrie e.V.

Während Behälterglas relativ gut zu verpacken und zu sichern ist, stellt Flachglas oft schon allein aufgrund seiner Dimensionen höhere Anforderungen an den Materialfluss. Denn die Scheiben, die je nach Anwendungszweck eine Breite von 8.000 mm und mehr aufweisen können, sind häufig nur wenige Millimeter dünn und damit sehr bruchempfindlich. Sie werden von der Produktion über die Veredelung bis zur Qualitätskontrolle daher auf Fördertechnik transportiert und erst für die Verladung oder Zwischenlagerung auf Transportgestelle umgesetzt. Das geschieht manuell, und die Werker werden durch Deckenkrane und Vakuum-Schlauchheber dabei unterstützt, um das empfindliche Gut sicher und zerstörungsfrei umsetzen zu können.

Die Glastransportgestelle sind Konstruktionen aus verzinkten oder lackierten Metallrohren, auf denen die Glasscheiben stehend transportiert werden können. Die Gestelle sind mit Kranösen versehen, damit sie ein Deckenkran aufnehmen kann. Ebenso können sie mit einem Stapler oder Hubwagen unterfahren und aufgenommen werden.

Angesichts der hohen Ausbringungsmenge ist ein reibungsloser Materialfluss im gesamten Produktionsprozess von entscheidender Bedeutung. Daher setzen viele Hersteller nicht allein auf fahrerbetriebene Flurförderzeuge, sondern auch auf FTS (fahrerlose Transportsysteme). So stellte der Glasanlagenhersteller Grenzbach im Jahr 2016 auf der Fachmesse Glasstec neue FTS vor, die den Transport von Glaspaketen in Verteilstationen übernehmen. Der besondere Clou dieser Transportlösung: Die Geräte sind mit Laserscannern ausgestattet und können so ihre Umgebung „wahrnehmen“ und auf Hindernisse reagieren. Die Konturnavigation ermöglicht es nicht nur, dass sich die FTS selbstständig orientieren, sondern das System ist überdies selbstlernend und erfordert keine Umbauten im Betrieb. Auf der Messe wurde der L1200S vorgestellt, der eine Tragfähigkeit von 1,2 Tonnen bietet; der Hersteller ist jedoch auch in der Lage, FTS mit einer Kapazität von bis zu 5 Tonnen zu liefern.

Der Faktor Mensch ist von größter Wichtigkeit beim Glastransport

Um den Weg von der Verteilstation auf den LKW oder in ein Zwischenlager zu überbrücken, sind jedoch auch in näherer Zukunft Staplerfahrer unverzichtbar, die ihr Gerät sicher beherrschen und für einen schnellen und dennoch unfallfreien Transport sorgen. Während Behälterglas in der Regel auf Europaletten gelagert und transportiert wird, müssen bei Flachglas Transportgestelle bewegt werden. Dabei kommen oft Sonderstapler zum Einsatz, mit denen Rollenpaletten angehoben und gezogen werden können, was hohe Anforderungen an den Fahrer und seine Konzentration stellt.

Um den Durchsatz beim Palettentransport zu erhöhen, kommen auch Anbaugeräte wie Doppel-Palettenklammern zum Einsatz. Hiermit können zwei nebeneinander stehende Paletten gleichzeitig aufgenommen und transportiert werden, mit einer Tragfähigkeit von 2,5 bis 3,2 Tonnen. Größere Modelle können sogar vier oder sechs Paletten gleichzeitig aufnehmen und so den Transport erheblich effizienter und wirtschaftlicher gestalten.

Gabelstapler transportiert Fensterscheiben © ikonoklast_hh, fotolia.com
Gabelstapler transportiert Fensterscheiben © ikonoklast_hh, fotolia.com

Hierbei kommt es besonders auf die Fähigkeiten und Erfahrungen des Fahrpersonals an, denn große Gewichte und Volumen und ein besonders hohes Unfall- und Verletzungsrisiko stehen im Widerspruch zu den logistischen Anforderungen, den innerbetrieblichen Transport möglichst schnell, effizient und wirtschaftlich zu gewährleisten.

Ein Unfallschwerpunkt bei Glasproduzenten sind laut Info der VBG Unfälle von Personen, die von Flurförderzeugen angefahren werden. Denn oftmals sind die Flächen in Produktionsbereichen knapp, so dass die Verkehrswege sowohl von Staplern als auch von Fußgängern genutzt werden müssen. Die VBG bietet aus diesem Grund Prämien für Unternehmen der Glasindustrie, die technische Maßnahmen für einen sichereren innerbetrieblichen Transport umsetzen. Konkret werden Spot-Leuchten und der Einbau eines drehbaren Fahrersitzes mit 40 Prozent der Investitionskosten gefördert – beide mit dem Ziel, Unfälle zu vermeiden. Während die Spot-Leuchten einen farbigen Lichtpunkt auf dem Boden vor dem FFZ erzeugen und so Fußgänger und andere Fahrer frühzeitig vor Staplergegenverkehr warnen, ist der drehbare Fahrersitz insbesondere für Rückwärtsfahrten sinnvoll. Denn nicht nur wird der Sichtbereich des Fahrers erweitert, wenn dieser sich in Fahrtrichtung drehen kann, sondern auch die Wirbelsäule und die Rumpfmuskulatur des Fahrers werden so entlastet.

Auswahlkriterien für Stapler in der Glasindustrie

Welche Staplertypen zum Einsatz kommen, hängt vor allem von den produzierten Gütern ab. Während in der Behälterglas-Produktion vor allem palettierte Güter umgeschlagen werden müssen und daher meist Frontstapler oder auch Hubwagen zum Einsatz gelangen, sind bei Flachglas-Produzenten eher Spezialisten gefragt.

Neben den technischen Eckdaten (Tragfähigkeit, Antrieb, Hubhöhe, Anbaugeräte) spielt die Empfindlichkeit der Steuerung eine wesentliche Rolle bei der Auswahl. Sämtliche Arbeiten mit der Last müssen möglichst sanft erfolgen können. Ruckartige Bewegungen beim Aufnehmen, Absetzen oder Fahren stellen ein Sicherheitsrisiko dar, weil das Transportgut dadurch aus dem Gleichgewicht kommen kann.

Da Glaswerke nahezu unterbrechungsfrei arbeiten, muss auch die Technik diesen Takt mitgehen können. Bei Verladungen im Außenbereich kommen darum oft Stapler mit Verbrennungsmotoren zum Einsatz, die nahezu ohne Standzeiten rund um die Uhr arbeiten können. Dazu bieten sie höchste Tragfähigkeiten und sind damit ideal, um sie beispielsweise mit Mehrfach-Palettenklammern auszustatten und so die Be- und Entladung von LKW in möglichst kurzer Zeit zu schaffen.

Seitlicher Batteriewechsel © Hyster
Gabelstapler mit seitlicher Batteriewechsel verringern die Standzeiten © Hyster

Für den Transport in geschlossenen Hallen sind Elektrostapler alternativlos und dank modernen Antriebstechnologien wie Lithium-Ionen-Akkus auch deutlich leistungsfähiger als ältere Modelle. Allerdings müssen die Batterien regelmäßig für mehrere Stunden an das Ladegerät, so dass entweder Ersatzstapler oder Wechselbatterien zur Verfügung stehen müssen, um den Dauerbetrieb zu ermöglichen.

Mehr Informationen zu Staplermodellen und -technologien

Dieser Branchenbericht über die Glasindustrie ist Teil einer großen Branchenbericht-Serie auf Staplerberater.de, dem großen deutschen Portal rund um Stapler, Flurförderzeuge und Arbeitssicherheit im Betrieb. In unserem kontinuierlich erweiterten Informations- und Serviceangebot finden Sie eine Vielzahl von Grundlagen- und Fachartikeln über Staplertechnik, unterschiedliche Modelle und ihre Einsatzbereiche, Anbaugeräte und Hersteller. Das gesamte Informations- und Serviceangebot ist kostenlos und ohne Anmeldung nutzbar.

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