Home » FTS oder AMR? Wie Unternehmen die richtige Automatisierungstechnologie für ihr Lager wählen

FTS oder AMR? Wie Unternehmen die richtige Automatisierungstechnologie für ihr Lager wählen

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit den Unternehmen Jungheinrich (Anzeige)

Fahrerlose Transportsysteme (FTS) und Autonome Mobile Roboter (AMR) übernehmen im Lager Transportaufgaben ohne menschliche Fahrer. Die Entscheidung, welche der Technologien zu den Anforderungen des Betriebs passen, muss eine operative Weichenstellung sein – mit langfristigen Konsequenzen für Effizienz, Skalierbarkeit und Investitionssicherheit.

Automatisierung im Lager © vadym, stock.adobe.com
Automatisierung im Lager © vadym, stock.adobe.com

FTS oder AMR: Zwei Technologien, zwei Betriebslogiken

Um den Unterschied beider Technologien zu verstehen, müssen zunächst die Begriffe klar abgegrenzt werden:

  • Sogenannte Automated Guided Vehicles (AGV; automatisch geleitete Fahrzeuge) sind ebenso wie Autonome Mobile Roboter (AMR) Fahrzeuge, die Transportaufgaben im Lager oder in der Produktion ohne menschliche Fahrer übernehmen.
  • Die einzelnen und mitunter unterschiedlichen AGV werden dabei zu einem Gesamtsystem zusammengefasst: die Fahrerlosen Transportsysteme (FTS).
  • Die AMR sind hingegen eine Weiterentwicklung von FTS und bilden eine eigene Fahrzeugklasse.

FTS ist also der übergeordnete Begriff für einzelne AGV, die AMR sind die technische Weiterentwicklung von FTS.

Was die Technologien unterscheidet, ist nicht die Aufgabe, sondern die Art, wie sie diese Aufgabe bewältigen – und genau hier trennen sich die Betriebslogiken von FTS und AMR grundlegend.

  • Fahrerlose Transportsysteme (FTS) sind infrastrukturgebunden: Sie folgen physisch oder magnetisch definierten Routen, arbeiten mit hoher Präzision und sind auf stabile, wiederkehrende Prozesse ausgelegt. Ihre Stärke liegt in der Verlässlichkeit, die eine unveränderte Arbeitsumgebung voraussetzt.
  • Autonome Mobile Roboter (AMR) hingegen navigieren infrastrukturfrei: Mithilfe von SLAM-Technologie (Simultaneous Localization and Mapping), die eine Datenfusion mehrerer Sensortypen nutzt (LiDAR-Sensoren, Kameras, Odometrie und IMU), erstellen sie eigenständig Karten ihrer Umgebung und passen ihre Routen dynamisch an. Hindernisse werden erkannt und umfahren, Layouts können jederzeit geändert werden – ohne Baumaßnahmen, ohne Stillstand.
MerkmalFahrerlose Transportfahrzeuge (FTS)Autonome Mobile Roboter (AMR)
Navigationspurgeführt (physisch/magnetisch/lasergeführt)SLAM (LiDAR, Kamera, Ultraschall)
Infrastrukturfest installiert, routengebundenkeine feste Infrastruktur nötig
Flexibilitätgering
Layoutveränderungen im Lager erfordern immer einen physischen Umbau der Streckenführung
hoch
schnelle Anpassung per Software
Präzisionsehr hoch auf definierten Streckenhoch, dynamisch anpassbar
BetriebslogikProzessstabilitätProzessadaptivität
Flexibler Warenumschlag mit der Rasternavigation
Flexibler Warenumschlag mit der Rasternavigation
Navigation mit Laser und installierten Referenzpunkten
Navigation mit Laser und installierten Referenzpunkten

Welches System passt zu welchem Betrieb?

Die Entscheidung für FTS oder AMR hängt nicht von der Unternehmensgröße ab, sondern von den konkreten Betriebsbedingungen – und davon, wie stabil oder veränderlich diese in den nächsten Jahren sein werden.

Die operative Entscheidungsregel lautet: Wenn das Lagerlayout stabil und die Prozessfrequenz hoch ist, sind FTS die wirtschaftlichere Wahl. Wenn das Lagerlayout variabel, Wachstum absehbar oder Mensch-Roboter-Kollaboration gefragt ist, dann ist AMR die richtige Lösung.

FTS – stark, wo Prozesse es erlauben

FTS entfalten ihr volles Potenzial in Umgebungen mit hochfrequenten, stabilen Transportrouten, zum Beispiel in der Produktion, im Wareneingang oder im Hochregallager.

FTS sind zudem wirtschaftlich überlegen, wo die Personendichte im Fahrbereich gering ist und Prozesse dokumentiert und langfristig planbar sind. Bei hoher Auslastung auf definierten Strecken sinken die Kosten pro Transporteinheit so deutlich.

Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten: Ein zentrales Qualitätsmerkmal bei FTS-Projekten ist die Systemintegration aus einer Hand. Sowohl das Fahrzeug selbst als auch das Leitsystem und das Warehouse-Management-System (WMS) müssen nahtlos zusammenspielen. Anbieter wie Jungheinrich, die diese Komponenten integriert liefern, reduzieren Schnittstellenrisiken und schaffen eine verlässliche Grundlage für den Betrieb. Das Unternehmen bietet genau diese Systemkompetenz – von der Fahrzeugtechnik über das Leitsystem bis zur WMS-Anbindung.

Automatisierung im Lager © Hypnotics14, stock.adobe.com
Automatisierung im Lager © Hypnotics14, stock.adobe.com

AMR – stark, wo Prozesse es erfordern

Die Argumente sprechen klar für AMR, wenn Lagerlayouts variabel sind, Wachstum geplant ist oder gemischte Transportaufgaben in aktiven Lagerbereichen anfallen.

Hier ermöglichen Autonome Mobile Roboter eine Mensch-Roboter-Kollaboration ohne aufwendige Schutzzonentrennung. Zudem lässt sich das System schrittweise einführen – ohne Infrastrukturumbau, ohne Produktionsstillstand.

Die Skalierung erfolgt softwareseitig: Neue Einheiten lassen sich schnell integrieren, ohne dass Baumaßnahmen nötig werden. Das macht beispielsweise die Autonomen Mobilen Roboter von Jungheinrich besonders attraktiv für Lager mit gewachsenen, heterogenen Strukturen, die sich nicht auf einen starren Automatisierungsplan festlegen wollen.

Skalierbarkeit und hybride Flotten – was langfristig zählt

Wenn ein Unternehmen wächst, verändern sich die Anforderungen – und damit auch die Bewertung beider Automatisierungslösungen.

  • FTS-Skalierung bedeutet in der Regel physischen Infrastrukturaufwand: neue Spurführungen, Bauarbeiten, höhere Einmalkosten bei jeder Routenerweiterung. Das ist kalkulierbar, aber aufwendig.
  • AMR skalieren vor allem über Software: Neue Einheiten werden per Software eingebunden, Lastspitzen lassen sich flexibel abfedern, ohne dass die Grundinfrastruktur verändert werden muss. Die Implementierungszeiten sind kurz, die Anpassungsfähigkeit hoch.

Viele Unternehmen denken mittelfristig auch über hybride Flotten nach, also den gleichzeitigen Betrieb von FTS und AMR. Diese Kombination ist technisch möglich, setzt aber ein einheitliches Warehouse Control System (WCS) voraus.

Ohne gemeinsames Leitsystem entstehen Insellösungen, die den Koordinationsaufwand erhöhen und Effizienzgewinne zunichtemachen. Wer heute AMR einführt, sollte daher prüfen, ob das gewählte Leitsystem später auch FTS-Elemente integrieren kann.

Automatisierung im Lager © maham, stock.adobe.com
Automatisierung im Lager © maham, stock.adobe.com

FTS oder AMR: Voraussetzungen, die vor der Entscheidung geklärt sein müssen

Bevor die Technologiefrage gestellt wird, müssen die betrieblichen Grundvoraussetzungen geprüft werden. Ob ein System funktionieren kann, hängt von infrastrukturellen, technischen und organisatorischen Bedingungen ab, die häufig unterschätzt werden:

  • Prozessdokumentation: Sind Abläufe stabil, dokumentiert und automatisierungsfähig?
  • WLAN-Infrastruktur: Ist das Netz in seiner Abdeckung, Stabilität und Latenz für einen möglichen AMR-Betrieb ausgelegt?
  • Hallenboden: Sind Ebenheit und Tragfähigkeit für den Fahrbetrieb geprüft?
  • Change Management: Ist das Team auf veränderte Abläufe vorbereitet?
  • WMS-Schnittstellen: Sind die Schnittstellen zum Warehouse-Management-System verfügbar und kompatibel?

Diese Analyse ist kein optionaler Vorbereitungsschritt, sondern die Grundlage jeder seriösen Technologieempfehlung – und ein Indiz dafür, welcher Systemanbieter ein verlässlicher Partner im Projekt sein wird: Anbieter wie Jungheinrich stellen eine vorgelagerte Prozessanalyse an den Anfang jedes Automatisierungsprojekts. Das Unternehmen verkauft so ein belastbares Lösungskonzept und nicht einfach nur Technologie.

Was FTS und AMR über die Nutzungsdauer wirklich kosten

Der Anschaffungspreis allein ist ein schlechter Kompass für die Wirtschaftlichkeit von Automatisierungssystemen. Das realistische Bild liefert die Total Cost of Ownership (TCO).

FTS verursachen in der Regel höhere Initialkosten durch die notwendige Infrastruktur wie Spurführung, Sicherheitstechnik und weitere Baumaßnahmen. Im laufenden Betrieb sind die Kosten für Fahrerlose Transportsysteme bei hoher Auslastung jedoch niedrig und gut planbar. Der TCO-Horizont für FTS-Infrastruktur liegt typischerweise bei acht Jahren* und mehr.

AMR haben hingegen geringere Infrastrukturkosten, aber höhere Anschaffungskosten pro Einheit – bedingt durch LiDAR-Sensoren, leistungsfähige Onboard-Computer und SLAM-Software. Der TCO-Horizont für Autonome Mobile Roboter liegt bei etwa fünf Jahren*, wobei Energie, Ausfallzeiten, Schulungsaufwand und Software-Updates in die Berechnung einfließen müssen.

Full-Service-Verträge schaffen hier Planungssicherheit: Sie wandeln unkalkulierbare Ausfallrisiken in planbare Betriebskosten um und sichern die Verfügbarkeit der Systeme über die gesamte Nutzungsdauer.

* Orientierungswerte; abhängig von Hersteller, Auslastung und Betrieb

Fazit

Die Entscheidung zwischen Fahrerlosen Transportsystemen (FTS) und Autonomen Mobilen Robotern (AMR) folgt einer klaren Logik: FTS sind die richtige Wahl bei stabilen, hochfrequenten Prozessen. Das System profitiert von einer Integration aus einer Hand, wie zum Beispiel Jungheinrich sie bietet.

AMR sind die richtige Technologie bei Flexibilitätsbedarf, geplantem Wachstum und dem Wunsch nach schrittweisem Einstieg ohne Infrastrukturumbau.

Für beide Automatisierungslösungen gilt: Prozessanalyse vor Technologiewahl – nicht umgekehrt.

FAQ

Kann ein Lager FTS und AMR gleichzeitig betreiben?

Hybride Flotten aus FTS und AMR sind technisch möglich und in der Praxis zunehmend verbreitet. Die Voraussetzung für die Kombination ist ein einheitliches Warehouse Control System (WCS), das beide Systemtypen koordiniert. Ohne gemeinsames Leitsystem entstehen ansonsten Insellösungen, die den Koordinationsaufwand erhöhen und Effizienzgewinne gefährden.

Was passiert, wenn sich das Lagerlayout nach der FTS-Installation ändert?

Layoutänderungen bedeuten bei FTS physischen Infrastrukturaufwand: Spurführungen müssen angepasst, Sicherheitszonen neu definiert und die dafür nötigen Bauarbeiten durchgeführt werden. Sind also Layoutveränderungen im Betrieb absehbar, kann das ein Hinweis darauf sein, dass AMR die passendere Automatisierungstechnologie sind.

Ab welchem Punkt lohnt sich der Wechsel von manuell zu fahrerlos?

Ausschlaggebend für einen Wechsel ist die Prozessstruktur. Repetitive Transportaufgaben mit hoher Frequenz und klar definierten Start- und Zielpunkten sind der ideale Ausgangspunkt – unabhängig davon, ob es sich um einen mittelständischen Betrieb oder ein Großlager handelt.

Welche Rolle spielt das WMS bei der Technologiewahl?

Die Kompatibilität mit dem Warehouse-Management-System (WMS) ist eine Grundvoraussetzung für die Wahl der richtigen Technologie. Anbieter, die Fahrzeugtechnik und WMS-Integration aus einer Hand liefern, reduzieren das Integrationsrisiko erheblich – und verkürzen die Zeit bis zur produktiven Inbetriebnahme.

Automatisierung im Lager © Kion Group
Fahrerlose Transportsysteme

Fahrerlose Transportsysteme – Freie Fahrt ohne Fahrer Die ersten fahrerlosen Transportsysteme (FTS) wurden vor mehr als 50 Jahren in den… weiterlesen