Teleskopstapler: Anschlagen von Lasten

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Anschlagen von Lasten mit Teleskopstaplern

Lastaufnahmemittel für einen Teleskopstapler © SENNEBOGEN
Lastaufnahmemittel für einen Teleskopstapler © SENNEBOGEN

Beim Einsatz von Teleskopstaplern mit Kranhaken oder Seilwinde werden aufgenommene Lasten unter Zuhilfenahme eines Anschlagmittels befestigt und verfahren, beispielsweise Ketten, Seile oder Hebebänder. Hierbei besteht immer das Risiko, dass durch unsachgemäßes Anschlagen der Last Personen gefährdet werden oder die Last beschädigt wird. Das gilt auch, wenn defekte Anschlagmittel eingesetzt werden oder die Tragfähigkeit der Anschlagmittel nicht für das Lastgewicht ausreicht.

Drei gängige Anschlagemittel bei Teleskopstaplern
Drei gängige Anschlagemittel bei Teleskopstaplern

Dier zulässige Tragfähigkeit der Anschlagmittel lässt sich an der dort angebrachten Kennzeichnung ablesen. Sie wird jedoch nur erreicht, wenn das Anschlagmittel korrekt gelagert und eingesetzt wird.

Die richtige Auswahl des Anschlagmittels ist dabei abhängig von:

  • der Masse des Last, also dem Lastgewicht,
  • der Größe und Form der Last,
  • dem Neigungswinkel,
  • der Anschlagart sowie
  • den äußeren Bedingungen.

Insbesondere die Anschlagart bestimmt mit, welche Tragfähigkeit das Anschlagmittel tatsächlich bietet. Nur beim direkten Anschlag kann die angegebene Tragfähigkeit voll ausgenutzt werden. Im Schürgang reduziert sich die Tragfähigkeit (bezogen auf den Maximalwert) um 20 Prozent. Und auch der Neigungswinkel ß hat einen direkten Einfluss, denn je größer dieser wird, desto geringer wird die Tragfähigkeit:

Anschlag von Lasten bei Teleskopstaplern
Anschlag von Lasten bei Teleskopstaplern. Die Tragfähigkeit hängt auch ab vom Neigungswinkel ab

Während bei einer gleichmäßigen Lastverteilung über zwei parallele, gerade verlaufende Stränge die gesamte Gewichtskraft F sich jeweils zur Hälfte auf jeden Strang verteilt, nimmt die Tragfähigkeit des Einzelstrangs ab. Aus diesem Grund darf der Neigungswinkel nicht mehr als 60° betragen, da bei einem größeren Neigungswinkel eine zunehmende Überlastung eintritt und damit die Gesamtstabilität abnimmt.

Anschlagmittel Geeignet für Nicht geeignet für
Seile Lasten mit glatten, öligen oder rutschigen Oberflächen Scharfkantiges oder heißes Material
Ketten Heißes Material und Lasten mit nicht rutschigen Oberflächen sowie scharfkantige Träger, Brammen oder Profile Lasten mit glatten oder rutschigen Oberflächen
Hebebänder und Rundschlingen Lasten mit besonders rutschiger ober empfindlicher Oberfläche Scharfkantige oder heiße Lasten
Naturfaserseile und Chemiefaserseile Lasten mit empfindlicher Oberfläche und leichte Lasten

Kommen mehrstrangige Anschlagmittel zum Einsatz, dürfen dennoch jeweils nur zwei Stränge als tragend angenommen werden. Eine Ausnahme stellt jedoch der Einsatz von Ausgleichseinrichtungen wie einer Wippe dar.

Was bei Anschlagmitteln in jedem Fall zu vermeide ist
Was bei Anschlagmitteln in jedem Fall zu vermeide ist

Langmaterial darf nicht in Einzelschlingen transportiert werden. Bei Bedarf sind geeignete Traversen einzusetzen, um die Last sicher aufzunehmen. Kleinteile müssen in geeigneten Behältern, etwa kranfähigen Containern, eingelagert werden und dürfen nicht über die Seitenwände hinausragen. Zudem ist darauf zu achten, dass das Gewicht der Einzelteile gleichmäßig verteilt wird. Um ein Pendeln der Last zu verhindern, muss das Anschlagmittel mittig über dem Schwerpunkt befestigt werden.

Wichtig: Personen dürfen sich beim Anschlagen von Lasten nicht im Gefahrenbereich aufhalten. Auch der Aufenthalt unter der angehobenen Last ist verboten.

Damit sich nicht genutzte Stränge des Anschlagmittels beim Anheben nicht verheddern können, müssen sie vor Beginn des Hebevorgangs hochgehängt werden. Auf keinen Fall dürfen genutzte oder nicht genutzte Anschlagmittel geknotet, verdreht oder über scharfe Kanten gezogen werden. Sofern sich scharfe Kanten im Arbeitsbereich befinden, müssen diese mit einem geeigneten Kantenschutz abgedeckt werden. Alternativ können die Anschlagmittel auch mit Schutzschläuchen geschützt werden.

Teleskopstapler im Einsatz © SENNEBOGEN
Teleskopstapler im Einsatz © SENNEBOGEN

Bei unübersichtlichen Arbeitsumgebungen ist es sinnvoll, dass eine zweite Person als Anschläger dem Bediener des Teleskopstaplers Anweisungen per Handzeichen oder per Funk erteilt.

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Sicheres Ablegen der Last

Ist die Last am Zielort angekommen, muss technisch und organisatorisch sichergestellt werden, dass beim Ablegen keine Schäden an der Last, dem Gerät oder der Umgebung entstehen können. Insbesondere bei runden Lasten besteht die Gefahr, dass diese beim Ablegen wegrollen (beispielsweise aufgrund eines Gefälles) oder wegrutschen. Daher müssen hier geeignete Lagervorrichtungen oder ausreichend große und stabile Holzkeile untergelegt werden.

Zudem sollte bei einem Gefälle der Untergrund möglichst eben gestaltet werden. Ist das nicht möglich, können zumindest Anti-Rutsch-Matten dafür sorgen, dass die Last nicht instabil wird und wegrutscht. Um die Last anschließend mit einem Stapler oder anderem Flurförderzeug aufnehmen zu können, eignen sich Unterleghölzer. Sie sorgen für eine ausreichende Bodenfreiheit und ermöglichen es, Lasten zu stapeln und zu größeren Ladeeinheiten zu verdichten. Die Fahrzeuge müssen allerdings ausreichend groß und robust sein, um die Gesamtlast sicher aufnehmen und stabilisieren zu können.

Teleskopstapler auf der Baustelle © Merlo Deutschland
Teleskopstapler auf der Baustelle © Merlo Deutschland

Ablegereife von Anschlagmitteln

Damit Anschlagmittel möglichst lange eingesetzt werden können, müssen sie richtig verwendet und in Zeiten der Nichtbenutzung korrekt gelagert werden. Zusätzlich müssen sie regelmäßig durch einen Sachkundigen, konkreter durch eine „zur Prüfung befähigte Person“ überprüft werden. Die Überwachung und Sicherstellung der Prüfzyklen sowie die Umsetzung sich daraus ggf. ergebender Maßnahmen obliegt dem Unternehmer, in dessen Auftrag die Anschlagmittel eingesetzt werden.

Definition von Ablegereife
Definition von Ablegereife

Doch auch der Teleskopstaplerfahrer muss die jeweils bei einem Einsatz verwendeten Anschlagmittel vor der Verwendung auf augenscheinliche Mängel prüfen und im Falle eines Mangels den Vorgesetzten informieren. Defekte Anschlagmittel dürfen nicht mehr benutzt werden und müssen aus dem Verkehr gezogen werden. Je nach Ausführung können sie entweder dem Hersteller zur Reparatur und Instandsetzung übergeben oder müssen entsorgt werden.

Anschlagseile

Es dürfen ausschließlich normgerechte Seile und Seilendverbindungen eingesetzt werden. Stahlseile müssen einen Mindestdurchmesser von 8 mm aufweisen, Seile aus Kunst- oder Naturfasern müssen mindestens 16 mm dick sein. Seile dürfen nicht an den Pressklemmen abgeknickt und Drahtseilklemmen nur als Führ- und Halteseile genutzt werden.

Seile mit gebrochenen Litzen, mehreren Drahtbrüchen, starker Korrosion, Quetschungen, Klanken (Kombination von Verdrehung und Knick) und/oder Knicken sind ablegereif. Das bedeutet, sie dürfen nicht mehr eingesetzt und verwendet werden und müssen aus dem Verkehr gezogen werden.

Anschlagketten

Es dürfen nur geprüfte, kurzgliedrige Ketten eingesetzt werden, langgliedrige Ketten sind als Anschlagmittel nicht zulässig! Jede Kette muss vor dem Einsatz ausgedreht werden, so dass jedes einzelne Kettenglied frei beweglich ist. Auf keinen Fall darf eine defekte Kette behelfsmäßig, beispielsweise mit einer Schraubverbindung, repariert werden. Vielmehr muss eine so stark beschädigte Kette aus dem Verkehr gezogen werden, da sie die Ablegereife erreicht hat.

Anschlagketten sind stets kurzgliedrig, oftmals mehrsträngig
Anschlagketten sind stets kurzgliedrig, oftmals mehrsträngig

Das gilt auch für steifgezogene Ketten. Ketten mit gerissenen oder gebrochenen Gliedern, Querschnittsminderungen oder starker Korrosion haben ebenfalls die Ablegereife erreicht und müssen entsorgt oder repariert werden. Des Weiteren sind Ketten ablegereif, wenn eine Längung der Kette bzw. einzelner Glieder um mehr als 5 Prozent vorliegt oder die Nenndicke um mehr als 10 Prozent an irgendeiner Stelle eines Kettengliedes reduziert ist, z. B. durch wiederholtes Reiben über einen harten Untergrund (Asphalt, Stein, Beton etc.)

Teleskoplader auf der Baistelle © Bobcat
Teleskoplader auf der Baistelle © Bobcat

Hebebänder

Es dürfen nur licht- und formstabilisierte Chemiefaserbänder eingesetzt werden, wobei die Verwendung von Bändern aus Polyethylen (PE) nicht zulässig ist. Hebebänder dürfen nicht über raue Oberflächen gezogen oder geschleift werden. Einwegbänder sind nach dem erstmaligen Gebrauch konsequent zu entsorgen und entsprechend zu kennzeichnen, um eine erneute Nutzung zuverlässig zu vermeiden. Generell gelten Hebebänder als ablegereif, wenn sie sichtbare Risse, Garnbrüche oder beschädigte Nähte aufweisen. Auch deutlich erkennbare Einwirkungen von Chemikalien und Verformungen aufgrund von großer Hitze (z. B. direkte Sonneneinstrahlung oder durch die Nähe zu Wärmelampen, heißgelaufenen Werkzeugen etc.) sorgen dafür, dass Hebebänder die Ablegereife erreicht haben.

Farbkennzeichnung auf dem Label Material Eigenschaften

blau

Polyester

(PES)

  • sehr gute Scheuerfestigkeit
  • hohe Beständigkeit ggb. Witterungseinflüssen
  • gute Beständigkeit ggb. Chemikalien (Säuren)
  • relativ schwer

grün

Polyamid

(PA)

  • sehr gute Scheuerfestigkeit
  • gute Beständigkeit ggb. Chemikalien (Laugen)
  • leichter als PES
  • schlechte Lichtbeständigkeit
  • quillt im Wasser, mit der Konsequenz von bis zu 10 Prozent Festigkeitsverlust
  • wird bei Alterung hart und steif

braun

Polypropylen

(PP)

  • geringere Festigkeit als PES und PA
  • nur befriedigende Scheuerbeständigkeit
  • leicht
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