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Gabelstapler in der Landwirtschaft

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Strohballen stapeln, Kartoffelkisten laden, Ställe ausmisten, Getreide bewegen – viele Vorgänge in der Landwirtschaft erfordern das Heben und Transportieren von Lasten. Immer mehr Landwirte entscheiden sich dafür, einen Gabelstapler in ihren Fuhrpark zu integrieren, um Aufgaben in diesem Bereich wirtschaftlich durchführen zu können.

Frontlader oder Stapler?

Verschiedene Konzepte stehen für das Aufgabengebiet zur Verfügung. Ein Traktor gehört zu einem landwirtschaftlichen Betrieb einfach dazu. Seine Namen gebende Hauptaufgabe ist das Ziehen von Anhängern und Geräten. Sein Betätigungsfeld liegt im Außenbereich, auf Äckern, Feldern, Wiesen und im Forstbereich. Selbst lange Fahrstrecken auf schwierigen Untergründen sind für ihn kein Problem. Dafür wurde er immer weiter optimiert. Mit einem Frontlader kann er für den Betrieb mit Schaufeln und Gabel aufgerüstet werden.

Ein Gabelstapler kommt jedoch aus einer ganz anderen Anwendungswelt. Er ist für das Heben und Transportieren von schweren Lasten konzipiert. Vor allem im Innenbereich und auf ebenen Flächen im Außenbereich. Unermüdliche Auf- und Abbewegungen und Hebevorgänge bis in 15 Meter Höhe gehören zu seinen Aufgaben. Vor allem aber das Rangieren auf engstem Raum. Da ist er der Spezialist. Welche der beiden Alternativen im Einzelfall für einen Betrieb sinnvoller ist, hängt im Wesentlichen vom Einsatzspektrum ab.

Vereinfacht kann man sagen:

Frontlader:

  • Kostengünstige Lösung
  • Begrenzung in Hubhöhe und Hubkapazität
  • Eingeschränkte Manövrierfähigkeit
  • Dieselantrieb

Frontstapler:

  • Hoher Anschaffungspreis
  • Viele Varianten in Tragfähigkeit und Hubhöhe
  • Sehr große Wendigkeit
  • Diesel-, Gas- oder Elektroantrieb wählbar

Frontlader

Schlepper mit Frontlader sind in der Landwirtschaft weit verbreitet. Häufig wird ein Schlepper gleich mit einer solchen Zusatzeinrichtung erworben. Es besteht auch die Möglichkeit einen Schlepper mit einem Frontlader nachzurüsten. Der Frontlader besteht aus einer beweglichen Schwinge aus Stahlrohren, die über die Hydraulik des Schleppers betrieben wird. Mit dieser Kombination lassen sich die angesprochenen Arbeiten in vielen Fällen ausführen.

Frontlader Landwirtschaft

Frontlader Landwirtschaft © womue, fotolia.com

  • Dauerläufer

    Der Traktor erhält damit die Funktion eines einfachen Radladers. Manchmal wird nur die Auf- und Abbewegung hydraulisch unterstützt. Bei einfachen Frontladern erfolgt die Bedienung des Frontladewerkzeugs durch das Öffnen einer Sperrklinke über einen Elektromagneten oder einen Seilzug vom Fahrersitz aus. Daher werden diese Modelle auch Klinklader genannt. Ein Schöpfen ist damit nicht möglich. Komfortabler gestaltet sich die Arbeit mit drei oder vier hydraulischen Funktionen. Mit jeder weiteren Ausstattung steigt jedoch auch der Preis für eine solche Arbeitsmaschine. Je nach Größe des Schleppers eignet sich ein Frontlader für Lasten bis etwa einer Tonne.

  • Mit den Möglichkeiten steigen die Kosten

    Paletten lassen sich mit einem einfachen Frontlader ebenfalls nur bedingt heben. Da sich in diesem Fall die Gabel mit der Schwinge um einen gemeinsamen Punkt dreht, gerät eine Palette mit zunehmender Hubhöhe immer mehr in eine Neigung nach hinten – bis sie abrutscht. Hier wäre ein Frontlader mit mechanischer oder hydraulischer Parallelführung erforderlich, wie er in industriellen Radladern Verwendung findet. Bei Frontladern mit einer solchen Parallelführung ändert sich der Winkel zwischen Werkzeug und Boden während des Hebens kaum.

    Die preiswerte Möglichkeit, einen Schlepper mit Frontlader zu verwenden, hat also je nach Ausstattung gewisse Grenzen. Und die drücken sich auch in der Hubkapazität und der Hubhöhe aus. Bei Frontladern wird die Vorderachse zudem besonders beansprucht und unterliegt bei regelmäßiger Arbeit mit hohen Lasten starkem Verschleiß. Auch die Lenkung ist unter starker Frontlast schwieriger zu bedienen. Zu beachten ist ebenfalls, dass die Hinterräder unter Umständen so stark entlastet werden, dass sich die Traktion deutlich verringert. Gerade im Gelände werden dann Gegengewichte am Heck erforderlich. Oder eben ein Allradantrieb.

  • Eingeschränkte Wendigkeit

    Die Kombination aus Schlepper und Frontlader macht die Maschine relativ groß und schränkt die Manövrierfähigkeit erheblich ein. In Gebäuden kann das schnell hinderlich werden. Zudem ist ein Schlepper durch den Dieselantrieb für geschlossene Räume weniger gut geeignet. Andererseits stellt ein Schlepper mit Frontlader immer noch eine relativ preiswerte Lösung dar. Die Frage der Wirtschaftlichkeit wird hierbei von Art und Umfang der Arbeitsaufgaben bestimmt.

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Frontgabelstapler

Stapler sind in einer großen Modellvielfalt in Tragfähigkeit und Hubhöhe erhältlich. Sie sind sehr kompakt und nahezu unerreicht wendig. Das Fahrwerk ist beim Frontgabelstapler als Drei- oder Vierradausführung mit lenkbarer Hinterachse und starrer Vorderachse konstruiert. Er ist also in gewisser Weise ein umgekehrter Schlepper.

Geländestapler

Frontgabelstapler © Emjay-Smith, fotolia.com

  • Extrem wendig

    Die hinten liegende Lenkachse verleiht dem Stapler eine außergewöhnlich hohe Wendigkeit auf engstem Raum. Er verhält sich wie ein Schlepper bei Rückwärtsfahrt. Bei einem Hubmaststapler ist der Radeinschlag jedoch noch deutlich größer. An die Lenkung eines Staplers werden hohe Anforderungen gestellt. Besonders im Stand müssen sehr hohe Kräfte aufgewendet werden. Dabei sollen die auszuübenden Kräfte am Lenkrad gering sein. Gleichzeitig gilt es, Rückstellkräfte auf das Lenkrad zu vermeiden. Und schließlich ist ein günstiges Übersetzungsverhältnis erforderlich, damit eine große Lenkwirkung bereits bei geringem Lenkradausschlag gewährleistet ist. Daher verfügen alle modernen Stapler über eine Lenkunterstützung.

  • Hoch hinaus

    Das Hubgerüst ist das Kernstück der Arbeitsfunktion eines Staplers. Es besteht aus Hubmast mit äußerem und innerem Mastprofil, Hubschlitten und Lastaufnahmemittel. Neben den Funktionen Heben und Senken der Last erfüllt es auch die steuerbare Neigung des Hubmastes. Das Hubgerüst wird über eine Arbeitshydraulik betrieben.

    Der Hubmast selbst kann als Einfach-, Zweifach- oder Dreifachmast ausgeführt sein. Dadurch können unterschiedliche Maximal-Hubhöhen realisiert werden. Zudem unterschieden sich die Hubmasten durch Unterschiede im Hub, wodurch sie sich für unterschiedliche Hallenhöhen eignen. Frontstapler mit Dreifach-Mast können Höhen bis rund 15 m bedienen. Ein entscheidender Vorteil gerade im Innenbereich ergibt sich dadurch, dass die Fahrzeughöhe bei eingefahrenem Mast gering ist. So können Tore gut durchfahren werden und die Maschine lässt sich auch in Räumen mit relativ geringer Höhe einsetzen.

  • Gewichtheber

    Ein Frontstapler verhält sich im Prinzip wie eine Wippe und folgt dem Hebelgesetz. Die eine Kippachse eines Staplers – es gibt zwei – liegt exakt auf Höhe der Vorderachse. Durch den hinten liegenden Motor und ein integriertes Zusatzgewicht liegt der Gesamtschwerpunkt etwa unter dem Fahrersitz. Nimmt die Maschine Last auf, verlagert sich ihr Gesamtschwerpunkt nach vorn. Die Tragfähigkeit wird also durch die Balance zwischen Last und Gegengewicht bestimmt. Durch den Antrieb an der Vorderachse bleibt die Traktion unter Last erhalten und die hinten liegende Lenkachse wird entlastet. Kompakte Frontstapler können Lasten von mehr als drei Tonnen heben.

    Durch seine relativ kleinen Räder eignet sich ein normaler Stapler eher für ebene feste Untergründe. Für den Betrieb auch bei schwierigen Bodenverhältnissen stehen Geländestapler zur Verfügung.

  • Drei Motorarten zur Wahl

    Während ein Ackerschlepper grundsätzlich mit Dieselmotor ausgestattet ist, kann der Anwender beim Frontstapler unter mehreren Varianten wählen. Neben Dieselmotoren stehen auch Motoren für Treibgas und Elektromotoren zur Wahl.

    Gerade beim Betrieb im Innenbereich ist der emissionsfreie Elektromotor ideal. Nässe behagt im allerdings nicht. Schwierig kann es auch werden, wenn ein Elektrostapler selten benutzt wird. Die Batterie kann deutlich an Leistung verlieren, wenn sie nicht regelmäßig geladen und entladen wird.

    Wird der Stapler häufig im Außenbereich eingesetzt, können die Verbrennungsmotoren punkten. Gasantrieb macht die Verwendung im Innen- und Außenbereich möglich, da die Motoren deutlich weniger Schadstoffe ausstoßen als Dieselmotoren. Andererseits ist Dieseltreibstoff ohnehin in jedem landwirtschaftlichen Betrieb vorhanden. Bei beiden Verbrennern sollte in staubiger Umgebung auf eine häufige Reinigung des Luftfilters geachtet werden. Welche Motorart vorzuziehen ist, hängt von den Einsatzbedingungen im Einzelfall ab.

  • Vielseitig mit Anbaugeräten

    Für Frontstapler steht eine große Auswahl an Anbaugeräten zur Verfügung, die sein Einsatzspektrum deutlich erweitern, etwa Schaufeln, Ballenzangen, Kippbehälter oder Arbeitsbühnen. Seine Eigenschaften machen den Stapler zu einer idealen Maschine für das Heben auch in große Höhen und bei beengten Platzverhältnissen. Die Anschaffungskosten für einen Frontstapler liegen jedoch deutlich über den Kosten für einen Frontlader. In Betracht ziehen kann landwirtschaftlicher Betrieb auch zwei weitere Alternativen: Hoflader und Teleskoparmstapler.

    Drehgerät Anbaugerät Gabelstapler

    Auch schwere Container lassen sich mit entsprechendem Anbaugerät drehen © KAUP GmbH & Co. KG

Hoflader

Im Gegensatz zum Schlepper mit angebautem Frontlader ist der Hoflader oder Radlader von Anfang an für Ladearbeiten konzipiert. Der Dieselmotor liegt hinten und dient als Gegengewicht zur aufgenommenen Last. Neben den großen Radladern aus dem Industrie- oder Baubereich sind kleinere Modelle verfügbar, die beispielsweise auch als Knicklader ausgeführt sein können. Diese Bauweise macht die Maschinen deutlich wendiger als einen Schlepper. Je nach Hydraulikausstattung lassen sich auch hier Anbaugeräte verwenden. Hoflader sind mit ihren grobstolligen Reifen gut für das Gelände geeignet. Mit zunehmender Tragfähigkeit geht auch eine größere Dimension einher. Sehr große Radlader sind für hohe Ansprüche an die Wendigkeit in Gebäuden weniger gut geeignet.

Radlader

Großer Radlader bei einer Biogasanlage © countrypixel, fotolia.com

Teleskoparmstapler

Während bei den übrigen Staplerarten ein Schwerpunkt auf dem Heben von Lasten bei nur relativ geringem Gabelvorschub liegt, gehören beim Teleskopstapler von vorneherein horizontale und vertikale Bewegungen zum Maschinenkonzept. Ihre technische Heimat haben diese Maschinen sowohl in der Welt der Stapler als auch der Baumaschinen und der Landwirtschaft. Teleskoparmstapler verfügen über einen Dieselmotor und gute Geländegängigkeit.

Teleskopstapler in der Landwirtschaft

Teleskopstapler in der Landwirtschaft © Merlo Deutschland GmbH

  • Kraftprotz mit Reichweite

    Gemeinsames Merkmal aller Teleskopstapler ist ein Teleskoparm, der mittig im Fahrzeug angeordnet und am hinteren Ende des Fahrzeugs gelagert ist. Dieser Arm wird mit Hydraulikzylindern gehoben und gesenkt. Zusammen mit dem Teleskopmechanismus ergeben sich zwei Bewegungsrichtungen, durch deren Überlagerung jede Position im Arbeitsfeld erreicht werden kann. Die Lagerung des Teleskoparms mittig am Fahrzeugheck ermöglicht durch den großen Abstand zur Vorderachse eine hohe Tragfähigkeit bei Arbeiten in Fahrzeuglängsrichtung. Je nach Hersteller und Ausführung können die Stapler mehr als 20.000 kg heben und Arbeitshöhen bis 30 m erreichen. Damit werden die Maschinen auch für die Forstwirtschaft interessant.

  • Coole Moves

    Mehrere Faktoren erweitern die Arbeitsmöglichkeiten von Teleskopstaplern. Zum Beispiel der Aufbau des Rahmens, die Lenkung und die Ausstattung des Teleskopkopfes mit Anschlüssen für unterschiedlichste Anbaugeräte. Mit einer veränderbaren Allradlenkung eignen sich Teleskopstapler sowohl für den schnellen Fahrbetrieb, als auch für das Rangieren auf engstem Raum. In der Betriebsart Krabbenlenkung kann die Maschine in jede beliebige Richtung – als auch diagonal – bewegt werden.

  • Leider teuer

    Preislich liegen Teleskoparmstapler in einem deutlich höheren Segment als normale Frontstapler. Dafür sind sie noch vielseitiger einsetzbar. Hier gilt wiederum: die Betriebsgröße, die Anwendungen, die Einsatzbedingungen und die Nutzungshäufigkeit sind die Kriterien für eine Entscheidung.

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