Europalette

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Die Europalette – ein Erfolgsmodell seit 1961

Zu den weltweit am weitesten verbreiteten Ladungsträgern zählt die Palette, genauer gesagt die Europalette. Schätzungsweise 500 Millionen Stück sind davon weltweit im Umlauf, überwiegend im europäischen Wirtschaftsraum. Entwickelt wurde die Europalette bereits im Jahr 1961. Die Initiative kam von einigen europäischen Eisenbahnbetreibern (D, A,CH), die einen universellen Ladungsträger benötigten, der den Warenumschlag vereinfachen und beschleunigen sollte.

Euro Palette © European Pallet Association e.V.
Die EPAL Europalette © European Pallet Association e.V. © European Pallet Association e.V.

Der Standard der Europaletten ist in der EU-weiten Norm EN 13698-1 festgelegt. Die European Palet Association (EPAL) überwacht die Einhaltung der Normvorschriften und zertifiziert normkonforme Paletten mit dem geschützten EPAL-Markenzeichen. Die Kennzeichnung ist ein Brandzeichen im Oval, das sich auf allen vier Eckklotzen befindet.

Europaletten sind Mehrwegpaletten, die zudem tauschfähig sind, was den internationalen Waren- und Güteraustausch erheblich vereinfacht. Empfänger, die Güter auf EPAL Europaletten geliefert bekommen, können die erhaltenen Paletten tauschen, also durch leere Paletten aus ihrem Bestand ersetzen. Diese werden dann dem Frachtführer als Rückfracht mitgegeben. Alternativ kann ein finanzieller Ausgleich (Palettenkauf) erfolgen. Bei größeren regelmäßigen Volumen gibt es zudem die Option des Ausgleichs über Palettenkonten.

Stapler transportiert Leerpaletten © European Pallet Association e.V.
Stapler transportiert Leerpaletten © European Pallet Association e.V.

Welche Maße weist eine Europalette auf?

Als standardisierter Ladungsträger sind sämtliche Elemente einer EPAL Europalette sowie ihre Bauart im Technischen Regelwerk der EPAL festgelegt. Die EPAL-Richtlinien definieren dabei insgesamt vier verschiedene Palettenarten. Die weltweit am häufigsten eingesetzte Bauform ist die EPAL Europalette (EPAL1).

Eine EPAL1-Palette weist eine Höhe von 144 mm und eine Grundfläche von 800 x 1.200 mm (Länge x Breite) auf. Diese Maße machen sie zum optimalen Transport- und Lagermittel, weil z. B. die Laderäume von LKW in der Regel eine Breite von 2,40 m haben. Somit können zwei Paletten quer oder drei Paletten längs in einer Reihe platziert werden. Sie decken dann die vorhandene Grundfläche komplett ab und ermöglichen so die optimale Nutzung der Grundfläche. Zudem sind zahlreiche standardisierte Ladungsträger auf das Grundmaß von 800 x 1.200 mm ausgelegt, z. B. KLT und GLT aus der Automobilindustrie, aber auch Versandkartonagen.

EPAL 2- und EPAL 3-Paletten sind sogenannte Industriepaletten. Sie sind im Vergleich zum Standardmaß etwas länger: 1.200 x 1.000 mm und 1.000 x 1.200 mm. EPAL 2-Paletten sind außerdem mit einem zusätzlichen Bodenrahmen verstärkt, so dass sie sich optimal für den Einsatz in automatischen Produktionsstraßen eignen. EPAL 3-Paletten werden ohne Bodenrahmen gefertigt und sind darum bei gleichen Maßen deutlich leichter und günstiger.

Bei der EPAL 6 und 7 handelt es sich um Halbpaletten die im Gegensatz zu den „Düsseldorfer Paletten“ unabhängig qualitätsgeprüft sind. Sie sind genau halb so lang wie EPAL1-Paletten (800 x 600 x 144 mm) und werden vor allem in der Lebensmittelindustrie und im Handel verwendet, weil sie mit ihrer geringeren Grundfläche direkt im Verkaufsbereich zur Warenpräsentation eingesetzt werden können.

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Wie viel wiegt eine leere Europalette?

Das Gewicht einer Europalette (hier und im Folgenden ist mit einer Europalette aufgrund ihrer hohen Verbreitung immer die EPAL Europalette gemeint) hängt zum einen vom verwendeten Holz ab und zum anderen von der Restfeuchtigkeit des Holzes. Fabrikneue Paletten wiegen in der Regel zwischen 20 und 22 kg. Dagegen können ältere Paletten, die längere Zeit in feuchten Umgebungen gelagert wurden, auch 30 kg oder noch mehr auf die Waage bringen.

Wichtig: Das Palettengewicht ist auch bei der Lagerung in Palettenregalen von Bedeutung. Denn für die Ermittlung der maximalen Belastung pro Lagerfach muss das Gesamtgewicht des Ladungsträgers (Palette + Lagergut) berücksichtigt werden, nicht nur das Gewicht des Lagergutes alleine.

Woraus werden Europaletten hergestellt?

Herstellung der Europaletten © European Pallet Association e.V.
Herstellung der Europaletten © European Pallet Association e.V.

Grundsätzlich werden Europaletten aus massivem Vollholz gefertigt. In Europa sind für die Herstellung 17 Holzarten zugelassen, wobei die meisten Paletten aus schnell wachsenden Holzsorten wie Tanne, Fichte oder Kiefer gefertigt werden. Ebenso können Paletten jedoch auch aus Eiche, Ahorn, Akazie oder anderen Holzarten hergestellt werden, weil sich ihre Tragfähigkeit und Stabilität vor allem aus der Konstruktion ergeben.

Welche Tragfähigkeit weist eine Palette auf?

Grundsätzlich können unbeschädigte Europaletten im Regal und auf der Gabel eines Flurförderzeugesmit bis zu 1.500 kg belastet werden. Bei Stapelung von Paletten beträgt die zusätzliche Auflast der untersten EPAL Europalette 4.000 kg, wenn sich die Palette auf einer horizontalen und ebenen, starren Fläche befindet und die Auflast vollflächig und horizontal aufliegt. Bei punktuellen Belastungen, z. B. durch Güter mit Ständern oder Füßen, sollten pro Palette nicht mehr als 1.000 kg zugeladen werden, um die Sicherheit bei Transport und Lagerung nicht zu gefährden. Diese Angaben beziehen sich jedoch nur auf tauschfähige und qualitativ einwandfreie Paletten. Bei beschädigten Paletten ist die maximale Belastungsfähigkeit oft erheblich reduziert.

Sind Europaletten auch für den Export geeignet?

Grundsätzlich entsprechen EPAL Europaletten dem IPPC/ISPM 15-Standard (Internationaler Standard für Pflanzenschutzmaßnahmen als Bestandteil des internationalen Pflanzenschutzabkommens), da das verwendete Holz hitzebehandelt wurde, um Schädlinge (z. B. Asiatischer Laubbockkäfer, Kiefernholznemathode) zuverlässig abzutöten. Diese Zertifizierungen sind erforderlich, um Paletten weltweit exportieren zu können. Allerdings werden Ladehilfsmittel aus Vollholz trotzdem nicht in allen Ländern akzeptiert. Eine Alternative stellen dann beispielsweise INKA-Paletten im Euromaß dar, die aus hitzegeformtem Holzwerkstoff gefertigt werden. Diese gelten als „processed wood“ im Sinne der ISPM 15 und können damit auch in Länder exportiert werden, in die Massivholz-Paletten nicht eingeführt werden dürfen.

Welche Qualitäten von Paletten werden unterschieden?

Qualitätskontrolle der Europaletten  © European Pallet Association e.V.
Qualitätskontrolle der Europaletten © European Pallet Association e.V.

Die Qualität einer Palette spielt insbesondere beim Palettentausch eine wichtige Rolle. Unterschieden werden folgende Qualitäten:

  • Neue Europalette: Hierbei handelt es sich um Europaletten, die direkt vom Hersteller an den ersten Kunden geliefert werden. Diese Neupaletten werden vor allem in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie eingesetzt – oder in Bereichen, wo die auf der Palette gelagerten und transportierten Güter besonders empfindlich gegenüber Verschmutzungen sind.
  • Neuwertige Europalette: Das sind Paletten, die nicht mehr als 1-2 Mal getauscht wurden. Sie werden bevorzugt in Unternehmen eingesetzt, die ihre Waren automatisch per Maschine verpacken und palettieren oder automatische Palettenregale und Transportsysteme nutzen.
  • Gebrauchte, tauschfähige Europalette: Sie stellen das Gros aller im Umlauf befindlichen Paletten dar. Die Paletten weisen einige kleinere Mängel auf, sind jedoch in ihrer Funktion und Stabilität nicht beeinträchtigt. Hauptnutzer sind Speditionen und alle Unternehmen, die Paletten lagern oder für den Versand von weniger empfindlichen Gütern nutzen.
  • Defekte, nicht mehr tauschfähige Europaletten: Weist die Palette erhebliche Beschädigungen auf (z. B. fehlende oder gebrochene Deckbretter, verfaulte oder fehlende Klötze), ist sie nicht mehr tauschfähig und kann dementsprechend nicht mehr als Poolpalette genutzt werden. Diese Paletten werden oft trotzdem noch im Betrieb verwendet, z. B. als Lagerhilfsmittel oder für kurze innerbetriebliche Transporte. Defekte Paletten sollten umgehend von einem lizenzierten Fachbetrieb repariert werden um die Sicherheit der Mitarbeiter und der gelagerten Waren wieder herzustellen sowie um die Tauschfähigkeit wieder zu gewährleisten.
  • Reparierte Europaletten: Defekte oder mangelhafte Europaletten, die nicht mehr tauschfähig sind, können bei einem von der EPAL lizensierten Betrieb repariert werden. Nach erfolgter Reparatur fallen diese Paletten dann wieder in die Kategorie „gebraucht, tauschfähig“. Reparierte Europaletten werden mit einem Reparaturkennzeichnungsnagel im Mittelklotz gekennzeichnet, der ausschließlich von der EPAL vergeben wird.
Professionelle Aufarbeitung und Reparatur der Europaletten © European Pallet Association e.V.
Professionelle Aufarbeitung und Reparatur beschädigter Europaletten © European Pallet Association e.V.
Wichtig: Defekte EPAL Europaletten dürfen ausschließlich von Unternehmen repariert werden, die von der EPAL lizensiert wurden. Wer selber Hand anlegt und z. B. fehlende Nägel oder Deckbretter ersetzt, darf diese reparierte Palette nicht in Verkehr bringen oder tauschen.

Wann ist eine Europalette nicht mehr tauschfähig?

Nur Paletten in einwandfreiem Zusatnd verwenden
Nur Paletten in einwandfreiem Zustand können getauscht werden

Sofern die Europalette einen oder mehrere der folgenden Mängel aufweist, darf sie nicht mehr ohne Reparatur getauscht werden, weil die Stabilität nicht mehr gewährleistet ist:

  • Mindestens ein Brett ist quer oder schräg gebrochen.
  • Mindestens ein Brett fehlt komplett.
  • Ränder oder Bretter sind so stark abgesplittert, dass mindestens ein Nagelschaft sichtbar ist.
  • Mindestens ein Klotz fehlt komplett oder ist so stark gespalten, dass einer oder mehrere Nägel sichtbar sind.
  • Die EPAL-Markierungen fehlen.
Palettentausch © European Pallet Association e.V.
Palettentausch © European Pallet Association e.V.

Wie wird der Palettentausch geregelt?

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Ansätze, um den Palettentausch zu vollziehen. Entweder wird direkt bei der Anlieferung von palettierten Gütern die Anzahl der genutzten Paletten durch tauschfähige Leerpaletten ausgeglichen, oder es wird ein Palettenkonto genutzt. Unabhängig vom Tauschmodus müssen jedoch folgende Bedingungen erfüllt sein, um EPAL Europaletten tauschen zu können:

  • Bei sämtlichen Tauschpaletten handelt es sich um Europaletten in tauschfähiger Qualität.
  • Der Versender weist bei Auftragsvergabe auf die Nutzung von Europaletten hin.
  • Die Anzahl der versendeten Europaletten muss angegeben werden.
  • Die Anzahl der vom Kunden übernommenen Europaletten wird vom Frachtführer auf den Lieferpapieren quittiert.

Der Bundesverband Spedition und Logistik empfiehlt für den Palettentausch zwei Modi:

  • Kölner Palettentausch: Die Europaletten werden Zug um Zug getauscht, also genutzte Paletten direkt bei der Übergabe durch die gleiche Menge Leerpaletten ausgetauscht. Der Verlader ist hierbei verpflichtet, eine ausreichende Menge an Leerpaletten zu bevorraten, um den Palettentausch ohne Verzögerung durchführen zu können. Der Kölner Palettentausch wird meist bei Direktverkehren genutzt.
  • Bonner Palettentausch: Hierbei werden die Europaletten bis zu einem gewissen Kontingent vom Verlader zur Verfügung gestellt und beim Empfänger nicht getauscht. Der Bonner Palettentausch wird in der Regel bei Sammelgutverkehren angewendet.

Was kostet eine Europalette?

Die konkreten Preise für Europaletten werden täglich ermittelt und neu festgelegt. Bei der Preisermittlung spielen Menge, Qualität sowie die jeweilige Nachfrage eine wesentliche Rolle. Einzelne Paletten kosten in der Regel je nach Qualität zwischen 10 und 30 Euro, bei Abnahme größerer Mengen reduziert sich der Einzelpreis entsprechend.

Was ist bei der Nutzung von Paletten im Lager zu beachten?

Lagerhaus © sveta, fotolia.com
Palettenlager: Das Lagergut wird mitsamt der Palette ein- und ausgelagert © sveta, fotolia.com

In Hochregal- und Palettenlagern werden oftmals keine Fachböden eingesetzt, sondern das Lagergut wird mitsamt der Palette ein- und ausgelagert. Das hat zum einen den Vorteil, dass die Regalanlage ein geringeres Eigengewicht aufweist, also mehr Ware pro Fach eingelagert werden kann. Zum anderen vereinfacht die Palettenlagerung den Warenumschlag, da das Lagergut nicht umgepackt werden muss, sondern mit Kommissionierer, Front- oder Schwenkschubstapler oder mit einem Hubwagen bewegt werden kann.

Grundsätzlich eignen sich nur Paletten für die Lagerung im Regal, die unbeschädigt und stabil sind, also den o. g. Tauschkriterien entsprechen. Die Paletten müssen im Fach auf beiden Traversen sicher und fest stehen. Eine Durchschubsicherung ist empfehlenswert, wenn die Regalrückseite sich nicht an einer Wand befindet.

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