Stapler: Made in Germany oder Importgerät?

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Gabelstapler kaufen: Made in Germany oder Importgerät?

Die Anschaffung eines Gabelstaplers oder eines anderen Flurförderzeugs ist in der Regel mit hohen Investitionen verbunden. Wer sich auf dem Markt umsieht, bemerkt schnell, dass es dennoch bei vermeintlich ähnlichen Modellen deutliche Unterschiede bei den Anschaffungskosten gibt. Insbesondere Stapler aus Asien oder Osteuropa werden häufig erheblich günstiger angeboten als vergleichbare Modelle aus Deutschland oder der EU. Lohnt es sich also überhaupt, einen Stapler „Made in Germany“ zu erwerben, und was ist bei Importgeräten grundsätzlich zu berücksichtigen?

BYD Gabelstapler werden in China gefertigt © BYD

Generell müssen Fahrzeuge und andere technische Anlagen so konstruiert werden, dass sie den gesetzlichen Anforderungen der Länder entsprechen, in denen sie eingesetzt werden sollen. In der EU und in Deutschland sind diese Anforderungen im internationalen Vergleich sehr hoch, während beispielsweise in Afrika oder Asien geringere Standards gelten. Daraus erwachsen für Hersteller und Händler zwei Konsequenzen: Sie können günstigere (da technisch weniger anspruchsvolle) Stapler für diese Märkte produzieren. Und sie müssen, falls sie Stapler z. B. auch in der EU vertreiben wollen, die dort geltenden hohen Standards erfüllen und nachweisen.

Elektrostapler Jungheinrich
Jungheinrich Gegengewichtsstapler Made in Germany © Jungheinrich

Vorsicht vor Grauimporten

Wenn jedoch ein Gerät, das für einen Nicht-EU-Markt entwickelt, getestet und zertifiziert wurde, dennoch als Importstapler angeboten wird, etwa über das Internet, handelt es sich um einen sogenannten Grauimport. Diese Grauimporte sind in der Regel daran zu erkennen, dass sie über kein echtes CE-Siegel verfügen, mit dem der Nachweis erbracht wird, dass das Gerät die europäischen Direktiven erfüllt. Auch das Fehlen eines Benutzerhandbuchs in deutscher Sprache ist ein sicheres Zeichen dafür, dass es sich um einen Grauimport handelt, denn gesetzlich ist vorgeschrieben, dass

  • Betriebsanleitung,
  • Kennzeichen,
  • Tragkraftschilder,
  • Aufkleber und
  • Warnhinweise

in der jeweiligen Landessprache formuliert sein müssen. Ohne diese Nachweise kann ein Versicherer es ablehnen, das Gerät zu versichern oder einen damit verursachten Schaden zu begleichen. Ohne Versicherungsschutz können dem Unternehmen hohe Schadenersatz- und Bußgeldforderungen entstehen, da der Stapler die gesetzlichen Vorschriften nicht erfüllt. Bei einem Unfall mit einem nicht CE-konformen Stapler können dann nicht nur das Unternehmen, sondern auch Geschäftsführer und leitende Angestellte persönlich in die Haftung genommen werden.

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Am falschen Ende gespart

Vorsicht ist daher immer geboten, wenn ein Staplermodell als Importgerät erheblich billiger angeboten wird, als es beim Hersteller direkt gelistet ist. Denn diese Modelle müssen nicht die strengen Vorschriften innerhalb der EU beachten, wodurch sie teilweise erheblich günstiger produziert werden können. Kommt dann noch ein Standortvorteil durch die Produktion in einem Niedriglohnland hinzu, kann sich das schnell zu einer vorgeblich sehr attraktiven Preisreduktion summieren.

Stapler Kosten
Kosten Stapler: Nicht am falschen Ende sparen © Wylezich, fotolia.com

Doch diese Rechnung geht oft nicht auf, weil Grauimporte nicht nur rechtlich problematisch sind. Wer einen Stapler von einem Hersteller bezieht, der keinen Vertrieb in Deutschland oder Europa betreibt, wird spätestens dann ein Problem bekommen, wenn das erste Verschleißteil ausgetauscht werden muss. Denn ohne eine entsprechende Infrastruktur obliegt es alleine dem Kunden, in Erfahrung zu bringen, unter welcher internen Nummer das auszutauschende Bauteil geführt wird und wo es beschafft werden kann. Das kann bei einem Lieferanten in Übersee durchaus mit einem Ausfall von mehreren Wochen verbunden sein, bis das Bauteil endlich geliefert wird – falls es überhaupt gelingt, es zu bestellen.

Auch was Garantien angeht, sind Käufer bei einem Grauimport nicht abgesichert. Während für einen Importstapler für den deutschen Markt der Hersteller eine Garantie zusichert und zudem die gesetzliche Gewährleistung erbringen muss, sind Grauimporte nicht durch den Hersteller autorisiert, so dass etwaige Garantiezusagen vom Händler erteilt werden, um einen zusätzlichen Kaufanreiz zu setzen. Ob der Händler im Falle eines Problems tatsächlich die Kosten für die Reparatur, Ausfallzeit und Ersatzstapler übernimmt (oder auch nur übernehmen kann), ist jedoch fraglich.

Und soll der Grauimport später bei einer Ersatzinvestition in Zahlung gegeben oder direkt verkauft werden, ist auch hier wieder das Problem der fehlenden CE-Kennzeichnung gegeben. Ohne diese stellt das Altgerät nur einen geringen Schrottwert dar, da sein Betrieb in Deutschland nicht zulässig ist.

Übrigens ist es unter wirtschaftlichen Aspekten keine gute Idee, einen Grauimport zu kaufen und diesen dann nachträglich zertifizieren zu lassen. Denn dazu muss eine detaillierte Prüfung des Geräts erfolgen, und die ist mit hohen Kosten verbunden. Erfüllen dann einzelne Komponenten die gesetzlichen Vorgaben nicht, müssen diese ausgetauscht und erneut zur Zertifizierung vorgestellt werden, was mit weiteren Kosten und hohem Zeiteinsatz verbunden ist.

Lohnen sich Importstapler denn überhaupt?

Natürlich steht es Unternehmen außerhalb der EU frei, Geräte zu produzieren, die den strengen Anforderungen innerhalb der EU entsprechen und daher legal importiert werden dürfen. Und die Praxis zeigt, dass es zunehmend Vertretungen und europäische Niederlassungen (vor allem von US-amerikanischen und asiatischen Herstellern) gibt, die in Europa einen attraktiven Markt erkennen, an dem sie gerne partizipieren wollen.

Die Geräte sind oftmals dennoch günstiger als vergleichbare Modelle von deutschen oder europäischen Herstellern, da in den Produktionsländern niedrigere Lohn- und Fertigungskosten anfallen, größere Stückzahlen produziert werden oder bewusst Geräte entwickelt werden, die technisch einfacher und damit günstiger zu produzieren sind. Auch technologischer Vorsprung ist ein Grund dafür, dass insbesondere asiatische Hersteller Geräte entwickeln, die etwa bei den Total Cost of Ownership (TCO) attraktiver sind als Stapler „Made in Germany“.

Gabelstapler TCO Beispielrechnung
Gabelstapler TCO Beispielrechnung

Dazu kommt, dass immer mehr Hersteller in Deutschland ein eigenes Netz an Händlern, Service oder sogar Produktionsstätten errichten und damit das Thema der Ersatzteilversorgung und der Serviceleistungen lösen. Das ist ein wichtiges Kriterium für jedes Unternehmen, das jederzeit auf funktionsfähige und einsatzbereite Stapler angewiesen ist.

Es kann sich also sehr wohl lohnen, einen Importstapler zu kaufen, denn auch bei renommierten Tests und internationalen Wettbewerben wie dem IFOY Award wurden z. B. schon Modelle aus China prämiert. Wer sich einen ersten Überblick über die in Deutschland vertretenen Staplerhersteller verschaffen will, dem empfehlen wir einen Blick in die Rubrik „Hersteller“ auf Staplerberater.de. Dort werden aktuell rund 40 Hersteller in Kurzportraits vorgestellt, mitsamt aktuellen Baureihen und Modellen sowie Kontaktinformationen.

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