Ratgeber Kommissionierer

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Kommissionierer – Hochregalstapler für Schwindelfreie

Beim Kommissionieren werden aus dem Lager auftragsbezogen Teilmengen von bestimmten Artikeln entnommen und zusammengestellt. Diese Tätigkeit ist für die betroffenen Mitarbeiter oft mit hohen körperlichen Belastungen verbunden: Nicht nur müssen die Wege im Lager zurückgelegt werden, auch das Gewicht der zu entnehmenden Waren kumuliert sich im Laufe einer Schicht. Zudem können ohne technische Unterstützung nur bodennah gelagerte Waren kommissioniert werden, die Entnahme aus höheren Lagerplätzen ist nur mit einem Flurförderzeug, einem Kommissionierer, möglich. Was diese Geräte leisten, wie sich die verschiedenen Typen unterscheiden und was es sonst noch Wissenswertes über diese speziellen Flurförderzeuge gibt, verrät dieser Ratgeber.

Kommisionierstapler © STILL
Kommisionierstapler © STILL

Aufbau und Funktion

Kommissionierer sind in elektrisch angetriebene Flurförderzeuge mit höhenverstellbarer Fahrerplattform. An dieser sind zwei Palettengabeln befestigt, die entweder fest montiert oder mit einem Zusatzhub versehen sind. Damit kann eine Europalette quer aufgenommen und während des Kommissioniervorganges als Lastaufnahmemittel genutzt werden.

Die Fahrerkabine bietet nach vorne und zu beiden Seiten ausreichend Platz, um Pakete oder andere Lagergüter aus einem Lagerplatz zu entnehmen und auf die mitgeführte Palette zu stapeln. Bei einem Kommissionierer mit Zusatzhub kann der Werker nicht nur die Kabine auf die Höhe des Lagerfaches bringen, sondern auch die Höhe seiner Arbeitsplattform anpassen, so lassen sich beispielsweise schwere oder sperrige Güter mit weniger Kraftaufwand kommissionieren.

Kommisionieren © STILL
Kommisionieren © STILL

Kommissionierer werden häufig in Schmalganglagern eingesetzt und mit seitlichen Führungsschienen oder einer induktiven Führung geleitet. Da innerhalb eines Ganges keine Lenkbewegungen notwendig sind, werden die Lenkräder des Kommissionierers nach dem Einfädeln in den Gang per Knopfdruck exakt gerade ausgerichtet und fixiert. Des Weiteren müssen zur Verhinderung von Unfällen am Ganganfang und Gangende Signalgeber montiert werden, die das Gerät automatisch in den Kriechmodus schalten, so dass der Kommissionierer sich nur noch mit langsamer Schrittgeschwindigkeit bewegt.

Dieser Kriechmodus wird auch bei Mittel- und Hochhub-Kommissionierern automatisch eingeschaltet, sobald die Fahrerkabine über eine bestimmte Höhe ausgefahren ist. So soll verhindert werden, dass der Kommissionierer aufgrund des nach oben verlagerten Schwerpunktes bei Beschleunigung kippen kann. Aus diesem Grund nimmt bei den Geräten auch die Tragfähigkeit mit zunehmender Hubhöhe der Kabine ab.

Das notwendige Gegengewicht wird zu großen Teilen durch die Batterie gebildet, die sich am hinteren Ende des Kommissionierers in Bodennähe befindet. Es ist ausreichend dimensioniert, um auch unter Volllast ein Kippen des FFZ zu verhindern, selbst bei vollständig ausgefahrener Fahrerkabine. Aufgrund der Höhen, die hiermit erreicht werden können, ist die Arbeit mit einem Kommissionierer nur für Menschen ohne Höhenangst möglich.

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Hubhöhe und Klassifizierung

Kommissionierer werden in Horizontal- und Vertikalkommissionierer unterschieden, also nach ihrer maximalen Hubhöhe klassifiziert. Horizontalkommissionierer sind für die Kommissionierung auf Bodenniveau geeignet, bieten die höchste Tragfähigkeit von allen Kommissionierern und eignen sich damit ebenfalls bedingt für den innerbetrieblichen Transport. Die technisch einfachste Form eines Horizontalkommissionierers ist ein manueller Gabelhubwagen, ebenso gibt es elektrisch angetriebene Geräte mit einer festen oder klappbaren Fahrerplattform. Die Bedienung und Steuerung erfolgt hierbei in der Regel über die Deichsel und die dort vorhandenen Bedienelemente (Schalter, Drehschalter).

Niederhubkommissionierer weisen eine Tragfähigkeit von bis zu zwei Tonnen oder mehr auf, allerdings können sie die Last nur bis zur Bodenfreiheit anheben. Damit eignen sie sich nicht für das Aufnehmen oder Absetzen von Paletten auf einem höheren Niveau (Regalfach, Arbeitstisch).

niederhubkommissionierer crown
Niederhubkommissionierer © Crown

Für die Kommissionierung in höheren Ebenen werden Vertikalkommissionierer eingesetzt, die sich wiederum in Mittelhub- und Hochhub-Kommissionierer einteilen lassen. Während Mittelhub-Kommissionierer eine Kommissionierhöhe von rund sechs Metern und Tragfähigkeiten von bis zu 1,5 Tonnen erreichen, gehen Hochhub-Kommissionierer bis an die physikalischen Grenzen und erreichen bis zu 17 Meter Kommissionierhöhe bei einer Tragfähigkeit von bis zu 1,2 Tonnen.

Vertikalkommissionierer sind auch für den Einsatz im Schmalganglager geeignet und erreichen im Gang Geschwindigkeiten von bis zu 13 km/h, so lassen sich auch längere Distanzen im Gang schnell überwinden. Die maximale Fahrgeschwindigkeit wird automatisch reduziert, wenn die Fahrerkabine ein gewisses Höhenniveau erreicht hat und verringert sich mit zunehmender Höhe weiter bis zum Kriechgang.

vertikaler Kommisionierer © Toyota
vertikaler Kommisionierer © Toyota

Ohne Staplerschein geht nichts

Horizontalkommissionierer mit Fahrerplattform und Vertikalkommissionierer dürfen nur von ausgebildetem Personal bedient werden. Das bedeutet, es ist ein gültiger Flurfördermittelschein (oft auch Staplerschein genannt) erforderlich, zudem muss jeder Mitarbeiter mindestens einmal im Jahr in die Bedienung des Gerätes unterwiesen und geschult werden.

Staplerschein © Björn Wylezich, fotolia.com
Staplerschein © Björn Wylezich, fotolia.com

Der Einsatzbereich definiert die Anforderungen

Kommissionierer sind bei vielen namhaften FFZ-Herstellern erhältlich, daher können Interessenten aus einer Vielzahl von Modellen und Anbietern wählen. Um die Entscheidung zu vereinfachen, ist es sinnvoll, die genauen Anforderungen zu definieren und dann gezielt Angebote einzuholen. Das wichtigste Kriterium ist die Arbeits- oder Kommissionierhöhe, sie wird vom Aufbau des Lagers und den höchstgelegenen Lagerplätzen, von denen kommissioniert werden soll, bestimmt.

Um die Ergonomie zu erhöhen, ist ein Kommissionierstapler mit Zusatzhub sinnvoll, ggf. ergänzt durch einen Kugeltisch, über den besonders schwere Güter aus dem Fach gezogen statt gehoben werden. Bei hochlagernden Gütern wird damit die Arbeits- und Warensicherheit ebenso erhöht wie die Produktivität in der Kommissionierung.

Je weiter die Strecken sind, die während einer Kommissionierfahrt zurückgelegt werden müssen, umso wichtiger werden die maximale Fahr- und Hubgeschwindigkeit. Anbieter wie Still bieten Fahrassistenzsysteme, mit denen die Geschwindigkeit innerhalb des Schmalgangs optimiert werden kann, wodurch sich die Produktivität signifikant steigern lässt. Allerdings setzen diese Assistenzsysteme technische Vorbereitungen des Schmalganglagers voraus, etwa die Montage von RFID-Transpondern oder Barcodes an den einzelnen Lagerplätzen.

Kosten und Finanzierung

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Gabelstaler Rabatte sichern © AKS, fotolia.com

Für neue Kommissioniergeräte müssen je nach Hubhöhe, Tragfähigkeit und technischer Ausstattung zwischen 10.000 und über 30.000 Euro investiert werden. Bei einem Gebrauchtgerät lassen sich, je nach Alter und Zustand, bis zu 50 Prozent der Anschaffungskosten einsparen. Alternativ kann ein Kommissionierer bei vielen Herstellern auch gemietet oder geleast werden, wobei die Transportkosten bis in die Halle und die Kosten für den Aufbau bei nur kurzer Nutzung überproportional stark wirken. Denn anders als etwa ein Frontstapler passt ein Kommissionierer im montierten Zustand nicht durch eine übliche Laderampe, sondern muss in Baugruppen zerlegt transportiert und nach der Anlieferung vor Ort montiert werden. Vor der Anschaffung eines Kommisionierers empfiehlt sich auf alle Falle ein Preisvergleich der Modelle und Anbieter.

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