Befahren von schrägen Ebenen

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Gabelstapler: Befahren von schrägen Ebenen

Das Befahren von schrägen Ebenen mit einem Stapler oder einem anderen Flurförderzeug erfordert besondere Aufmerksamkeit und Umsicht des Fahrers. Denn während sich bei Fahrten auf ebenem Untergrund der Schwerpunkt des Staplers und der transportierten Last sowohl senk- als auch lotrecht zur Grundfläche befindet, verlagern sich die Schwerpunkte auf schrägen Ebenen zunehmend.

Stapler auf einer schmalen Rampe
Stapler auf einer schmalen Rampe © Max Blain, fotolia.com

Aufgrund der Erdanziehungskraft wirkt eine Gewichtskraft vom jeweiligen Schwerpunkt eines Körpers in einer geraden Linie Richtung Erdmittelpunkt. Diese wird physikalisch als Schwerkraftlinie bezeichnet und lässt sich einfach mit einem Lot nachweisen: einfach einen Faden mit einem Gewicht (z. B. einer Schraubenmutter) an einem Stab befestigen und loslassen. Unabhängig von der Position des Stabes hängt das Gewicht immer lotrecht nach unten in Richtung Erdmittelpunkt; der Faden bildet damit einen rechten Winkel zur Erdoberfläche. Wird der Stab komplett waagerecht gehalten, verändert sich die Position des Lots zwar nicht, doch steht es nun auch gleichzeitig senkrecht zum Stab.

Die folgende Grafik macht diesen Zusammenhang deutlicher:

Befahren von schrägen Ebenen
Befahren von schrägen Ebenen

Deutlich zu erkennen ist, dass nur bei einer geraden Grundfläche (ebener Fahrbahn) die Schwerkraftlinie sowohl senk- als auch lotrecht verläuft. Bei einer schrägen Ebene verläuft die Schwerkraftlinie des Körpers dagegen nach wie vor lotrecht zum Erdmittelpunkt.

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Der Lastarm verändert sich auf schrägen Ebenen

Wird eine Last mit einem auf einer geraden Ebene stehenden Frontstapler lotrecht in die Höhe gehoben, verändert sich der sogenannte Lastarm (physikalisch betrachtet ist das der Hebelarm, an dem sich das Gewicht der Last befindet) nicht, sondern bleibt auf Bodenniveau genauso groß wie im Vollauszug. Das lässt sich leicht nachweisen, indem an der Gabel ein Lot befestigt wird: Egal, auf welcher Höhe sich das Lot befindet, es verändert seine seitliche Position nicht, weil es lot- und senkrecht zur Grundfläche ausgerichtet ist.

Wenn jedoch die hochgefahrene Gabel mit dem Lot nach vorne geneigt wird, so bleibt dieses auch weiterhin im Lot, wandert jedoch relativ zum Neigungsgrad des Hubgerüstes nach vorne. Hierdurch verlängert sich der Lastarm, was mit einer Verlagerung des Gesamtschwerpunktes nach vorne einhergeht. Dieser Versuch wird häufig im Rahmen der theoretischen Staplerausbildung durchgeführt, um zu verdeutlichen, dass selbst kleine Veränderungen der Hubmaststellung den Lastarm erheblich verlängern – oder auch verkürzen, wenn der Mast nach hinten, also in Richtung Fahrerkabine, geneigt wird.

Beim Befahren von schrägen Ebenen wird der Lastarm des Staplers ebenfalls verlängert oder verkürzt, abhängig davon, wie die Ebene befahren wird: geht die Fahrt vorwärts eine schiefe Ebene hinunter und kann die Schräge nicht durch die Position des Hubmastes ausgeglichen werden (was nur bis zu einem gewissen Winkel überhaupt möglich ist), verlängert sich der Lastarm, der Schwerpunkt wandert also ebenfalls nach vorne. Zudem besteht hierbei die Gefahr, dass eine transportierte Last von alleine, spätestens jedoch bei einem Bremsmanöver, in Bewegung kommt und vorne von der Gabel rutscht.

Wie werden schräge Ebenen sicher befahren?

Aus diesem Grund muss jeder Staplerfahrer sich die folgenden beiden Sicherheitsregeln einprägen und immer beachten, wenn schräge Ebenen befahren werden:

Wichtig:

  • Mit Last darf der Stapler eine schräge Ebene nur vorwärts hinaufgefahren und rückwärts hinuntergefahren werden.
  • Ohne Last kann eine schräge Ebene vorwärts hinauf- und auch vorwärts hinuntergefahren werden.
Bergauf: Stapler fährt mit Last vorwärts
Bergauf: Stapler fährt mit Last vorwärts
Bergab mit Last: Stapler fährt rückwärts
Bergab mit Last: Stapler fährt rückwärts

Bei einer Talfahrt mit Last kann diese so nicht in den Fahrweg rutschen, und zudem kann der Fahrer durch gezielten Einsatz der Bremse die Fahrgeschwindigkeit sicher regeln. Wichtig ist, dass bei Erreichen der Talsohle der Hubmast ausreichend angehoben wird, um ein Aufsetzen des Hubmastes und der Gabel auf dem Boden zu vermeiden.

Grundsätzlich verboten ist der Transport von hängenden Lasten auf schrägen Ebenen. Denn bei hängenden Lasten besteht eine erhöhte Gefahr, dass der Lastschwerpunkt sich bereits bei geringen Schrägen soweit verschiebt, dass sich hierdurch auch der Gesamtschwerpunkt des Staplers verändert und das Fahrzeug ins Kippen gerät.

Auch der Transport von Flüssigkeiten und breiigen oder pastösen Massen ist auf schrägen Ebenen nicht zulässig, da sich der Spiegel immer lotrecht ausrichtet, so dass mit zunehmendem Füllgrad des Transportbehälters und Schräge der Ebene das Risiko ansteigt, Teile der Ladung zu verschütten. Das führt auch bei an sich ungefährlichen Flüssigkeiten zu einer erhöhten Gefährdungslage, weil der Grip der Staplerreifen auf nassem Untergrund deutlich verringert ist, das Fahrzeug also leichter ins Rutschen oder Schlingern kommen kann. Handelt es sich um feuerflüssige Massen, deren Gefäße keinen Deckel haben, ist das Befahren von schrägen Ebenen noch riskanter, da zusätzliche Brandgefahr durch überlaufendes Transportgut besteht.

Wichtig: Je größer der Steigungswinkel der Schräge, desto größer wird auch die Hangabtriebskraft und damit die Gefahr, dass Stapler und/oder Last ins Rutschen gelangen. Daher gelten Gefälle ab etwa 3 % als schräge Ebene und sollten mit Warnschildern entsprechend gekennzeichnet werden.

Auch bei Querfahrten ist erhöhte Vorsicht geboten

Nicht nur das gerade Fahren auf einer schrägen Ebene erfordert die volle Aufmerksamkeit des Staplerfahrers. Besonders kritische Situationen können dann auftreten, wenn auf einer schrägen Ebene diagonal gefahren oder beim Übergang von Schräge zu gerader Strecke zu früh oder zu stark gelenkt wird. Denn bereits bei einem (Quer-)Gefälle von nur 1 % – das entspricht etwa dem Gefälle, das bautechnisch realisiert wird, um Regenwasser in Richtung Gully oder anderen Bodenabläufen zu leiten – verlagert sich die Schwerkraftlinie von Last und Stapler von der idealen Mitte zu der Seite des Gefälles hin, was bei höheren Geschwindigkeiten und ggf. zusätzlichen Lenkbewegungen zu einem Zusammenwirken verschiedener Kräfte führt.

Je kleiner der Kurvenradius und je schneller die Fahrt, desto größer wird also die Gefahr, dass der Stapler aus dem Gleichgewicht kommt und zur Seite kippt.

Jedes Jahr werden Unfälle mit Staplerbeteiligung gemeldet, bei denen der Staplerfahrer auf einer schrägen Ebene gewendet hat oder zu früh in die Kurve gegangen ist, so dass der Stapler in der Folge seitlich gekippt und im günstigsten Fall immerhin erheblicher Sachschaden entstanden ist.

Gerade unerfahrene Fahrer bemerken eine Steigung oder ein Quergefälle oft so lange nicht, bis sie selbst im Fahrersitz in Schräglage geraten, und wollen dann die Gefahrensituation möglichst schnell verlassen, z. B. durch direktes Gegenlenken. Oder sie stellen fest, dass der Stapler die Steigung nicht schafft, etwa weil das Gefälle zu groß, die Batterie erschöpft oder die Last zu schwer ist, und versuchen dann, sich der Gefahrensituation möglichst schnell zu entziehen, indem sie ein Wendemanöver auf der schrägen Ebene einleiten. Hier reicht oft schon ein sehr niedriges Tempo, um den Stapler ins Kippen zu bringen – vor allem dann, wenn aus Unsicherheit der Wendekreis besonders eng ist.

Keine Kurven auf Rampen fahren
Keine Kurven oder Wendemanöver auf Rampen oder schrägen Ebenen

Richtig wäre es, bei einem Stapler, der eine Steigung nicht bewältigen kann, die Fahrt abzubrechen, den Rückwärtsgang einzulegen und ohne Wende- oder Lenkmanöver den Stapler rückwärts die Ebene hinunterzufahren und die Last dort abzustellen.

Wichtig: Auf schrägen Ebenen oder bei Quergefälle: Hände weg vom Lenkrad. Schafft der Stapler die Steigung nicht, langsam und mit Fuß auf der Bremse zurückfahren, bis der Stapler wieder auf ebener Fläche steht. Auf keinen Fall darf (und kann) auf einer schrägen Ebene gewendet werden, da hierbei erhebliche Kippgefahr und damit auch Gefahr für Leib und Leben besteht!

Zwar werden diese Sicherheitsregeln in der theoretischen (und ggf. auch praktischen) Prüfung für den Staplerschein vermittelt, doch die Unfallstatistik zeigt, dass besonders Routiniers sie nicht immer anwenden. Daher empfiehlt es sich, Staplerfahrer im Betrieb regelmäßig, mindestens jedoch einmal im Jahr, solche Situationen im Rahmen der Unterweisung und Beauftragung üben zu lassen, sofern im Betrieb Fahrstrecken mit Quer- oder Längsgefälle vorhanden sind. Noch besser ist es jedoch natürlich, wenn alle Fahrstrecken eben sind und kein Gefälle aufweisen.

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