Staplerunfall: Richtiges Verhalten im Notfall

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Unfall mit dem Stapler: Richtiges Verhalten im Notfall

Verrutschende Ladung, ein Stapler, der in einer zu schnellen Kurvenfahrt in Schräglage gerät und kippt, ein mitten im Gang liegengebliebener Kommissionier: Im Lager und Versand besteht generell ein hohes Unfall- und Verletzungsrisiko. Daher muss jeder angehende Staplerfahrer auch im Rahmen der theoretischen und praktischen Ausbildung darin unterwiesen werden, wie man sich und andere bei einem Un- oder Notfall in Sicherheit bringen kann. Dennoch geschehen jedes Jahr viele schwere, bisweilen tödliche Unfälle unter Beteiligung von Staplern, Kommissionierern oder anderen Flurförderzeugen.

Stapler Unfall vermeiden © Halfpoint, fotolia.com
Stapler Unfall: So handeln Sie richtig © Halfpoint, fotolia.com
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Der Stapler kippt – was tun?

Eine häufige Unfall- und Verletzungsursache für den Fahrer ist ein kippender Stapler, oft ausgelöst durch ein Fehlverhalten des Fahrers selber. Die Hauptursachen für einen Umsturz sind:

Im Falle eines Sturzes sitzenbleiben
Im Falle eines Sturzes sitzenbleiben
  • zu schnelle Kurvenfahrt oder enge Kurvenfahrten ohne Last
  • Fahrten mit über Bodenniveau angehobener Last
  • Fahrten mit seitlich verschobener Last oder Last mit einem nicht mittigen Schwerpunkt
  • Rampenkanten, Stufen und andere Bodenunebenheiten
  • Wenden und Schrägfahrt auf Gefälle und Steigungen
  • Führen der Last talwärts auf Gefälle oder Steigungen
  • Neigen des Mastes nach vorne bei aufgenommener Last
  • Fahrten mit pendelnden oder flüssigen Massen
  • Transport von großflächigen Lasten bei starkem Wind

Oft führen Zeitdruck und Hektik zu Unachtsamkeiten, die leicht in einem schweren Unfall münden können. Für den Fahrer bedeutet ein kippender Stapler Lebensgefahr: Wenn das bei allen Frontsitzstaplern seit 1996 vorgeschriebene Rückhaltesystem nicht angelegt ist, kann der Fahrer beim Kippen herausfallen und von dem Fahrzeug eingequetscht oder sogar erschlagen werden.

Wichtig: Wie im Auto kann ein Sicherheitsgurt Leben retten – allerdings nur dann, wenn er während der Fahrt auch angelegt wird. Daher sollte es zur Routine jedes Staplerfahrers gehören, erst zu gurten und dann zu starten.
Sicherheitsgurt anlegen
Sicherheitsgurt immer anlegen

In den letzten Jahrzehnten haben sich die Sicherheitsstandards bei Flurförderzeugen massiv verbessert, einerseits durch vorgeschriebene Rückhaltesysteme und andererseits durch stabilere Fahrerkabinen. Daher gilt heute mehr denn je: Im Falle eines Unfalls ist die Kabine sicher und bewahrt den Fahrer vor schlimmeren Verletzungen. Wenn der Stapler kippt, ist es also am sichersten, die Ruhe zu bewahren und sich mit Armen und Beinen fest in den Sitz zu drücken.

Die Fahrerkabine ist statisch so ausgelegt, dass sie die dabei wirkenden Kräfte kompensieren kann. Somit droht für den Fahrer nicht die Gefahr, in der Kabine eingequetscht zu werden. Wer sich allerdings ausschließlich auf die Stabilität der Kabine verlässt und einen Becken- oder anderen Sicherheitsgurt nicht anlegt, geht bei einem Unfall dennoch ein erhebliches Verletzungsrisiko ein. Denn nur ein Rückhaltesystem schützt den Fahrer beim Kippen oder Überschlag davor, in der Kabine umhergeschleudert zu werden und sich dabei Prellungen, Wunden oder sogar einen Knochenbruch zuzuziehen.

Bei einer geschlossenen Kabine mit stabilen Seitentüren oder Klappbügeln (die als Alternative zur Fahrertür an Tagen mit hohen Temperaturen eingesetzt werden können) besteht zwar keine Gefahr, dass der Fahrer aus der Kabine herausgeschleudert und vom Stapler überrollt wird, dennoch sollte auch hier zumindest ein Beckengurt während der Fahrt getragen werden. Ist die Tür geöffnet oder demontiert, muss der Sicherheitsgurt hingegen angelegt werden, um den Sicherheitsanforderungen gerecht zu werden.

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Abspringen vom Fahrzeug nur in absoluten Ausnahmesituationen

In der Regel lassen sich bei der Beachtung dieser Sicherheitshinweise schwere oder sogar tödliche Verletzungen des Fahrers bei einem Unfall verhindern. Dennoch kann es Situationen geben, in denen das Abspringen aus dem Stapler gerechtfertigt ist, etwa bei einem Sturz von einer hohen Rampe oder in ein Gewässer. Ältere Staplerfahrer werden sich noch daran erinnern, dass das richtige Abspringen vom Stapler früher im Rahmen der Ausbildung geübt wurde: Wichtig ist dabei, immer entgegen der Bewegungsrichtung des Staplers abzuspringen, also nach hinten oder bei einem umkippenden Gerät nach oben.

Sicherer ist es jedoch, wenn das verunfallte Fahrzeug erst dann verlassen wird, wenn es sich in Ruheposition befindet, dann jedoch möglichst schnell. Zu diesem Zweck sollte im Fahrzeug ein Gurtmesser vorhanden sein, mit dem im Notfall der Sicherheitsgurt schnell durchgetrennt werden kann. Bei älteren Elektrostaplern ist nicht auszuschließen, dass Säure aus der Batterie austritt, bei Staplern mit Verbrennungsmotor Gas oder Diesel aus Tank oder Motor. Schon aus diesem Grund muss der Fahrer sich also schnellstmöglich in Sicherheit bringen.

Notfälle im Hochregallager

Kommissionierer, Schwenkschubstapler und andere Flurförderzeuge, bei denen die Fahrerkabine in der Höhe verfahrbar ist, bergen im Vergleich zum Frontstapler eine zusätzliche Gefahrenquelle: Wenn die Kabine nach der Arbeit in der Höhe nicht mehr herunterfährt (etwa aufgrund eines technischen Defektes oder einer leeren Batterie), muss sie entweder von Hand abgesenkt werden, oder der Fahrer muss sich selber durch Abseilen aus der Notsituation befreien. Bei Staplern mit einem Fahrerplatz, der um mehr als drei Meter angehoben werden kann, schreibt die DGUV Regel 112-199 „Retten aus Höhen und Tiefen mit persönlicher Absturzschutzausrüstung“ eine regelmäßige Gefährdungsbeurteilung vor und empfiehlt, mindestens einmal pro Jahr im Rahmen der turnusmäßigen Unterweisung eine Abseilübung durchzuführen und zu dokumentieren.

Kommisionieren © STILL
Kommisionieren: Umsichtiges Handeln ist auch hier geboten © STILL

Zwar ist bei diesen Geräten in der Regel auch die Möglichkeit gegeben, die Kabine vom Boden aus abzusenken, allerdings setzt das voraus, dass ein zweite Person die Notlage des Fahrers bemerkt und eingreifen kann. Ist das nicht oder nicht zeitnah möglich, muss sich der Fahrer selbst abseilen und sollte dies vorher trainiert haben. Denn selbst wer schwindelfrei ist, wird beim Verlassen der Fahrerkabine und beim Abseilen wahrscheinlich Angst haben, daher sollte die Eigenrettung immer die Ultima Ratio sein. Besser und sicherer ist es, durch lautes Rufen, Betätigen der Hupe oder per Funk oder Mobiltelefon auf sich aufmerksam zu machen und Hilfe anzufordern.

Beim Abseilen wird das Seil am Fahrerdach befestigt und nach vorne, also über Gabel und Last hinweg, nach unten geführt. Ist ein Abseilgeschirr vorhanden, muss der Fahrer dieses anlegen und sich so zusätzlich für den Abstieg sichern. Das Seil darf keinesfalls über scharfe oder glatte Metallkanten geführt werden (Vorsicht bei scharfkantigen Lasten), der Abstieg muss langsam und ruhig erfolgen. Nach jedem Gebrauch, auch nach einer Abseilübung, muss das Seil an den Hersteller zur Prüfung gesendet werden.

Wichtig: Rettungseinrichtungen müssen regelmäßig überprüft werden. Defekte oder fehlende Einrichtungen müssen sofort gemeldet und ersetzt werden. Bis dahin das Fahrzeug nicht in Verkehr bringen, sondern aufgrund von Sicherheitsmängeln stilllegen.

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