Sichtfeld: Wichtig für Staperfahrer

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Wie wichtig ist das Sichtfeld für die Arbeitssicherheit?

Um einen Gabelstapler, Kommissionierer oder andere Flurförderzeuge sicher zu manövrieren, muss der Fahrer oder Bediener seine unmittelbare Umgebung in allen Richtungen visuell erfassen können. Das setzt zum einen voraus, dass die Sehfähigkeit des Fahrers nicht beeinträchtigt ist (was meist durch eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung G 25 für Fahrt-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten abgeklärt und bestätigt wird), der Fahrer sich also grundsätzlich für diese Tätigkeit eignet. Zum anderen kommt es jedoch auch auf das Sichtfeld des Fahrers an, das durch den Aufbau des Gerätes sowie durch die transportierte Last verkleinert wird. Eine einzelne Flachpalette schränkt die Sicht nach vorne kaum ein, ein Stapel von 10 Paletten hingegen schon mehr, wie die folgende Skizze verdeutlicht:

Eingeschränkte Sichtbarkeit bei fahren mit Last
Eingeschränkte Sichtbarkeit bei fahren mit Last © Norsob, fotolia.com
Sichtbarkeit von Personen bei transportierten Lasten © norsob, fotolia.com
Die Sichtbarkeit von Personen bei transportierten Lasten ist eingeschränkt © norsob, fotolia.com

Nicht alles Gute kommt von oben

Wird dann die Last noch angehoben, reduziert bzw. verschiebt sich das Sichtfeld weiter. Dazu erhöht sich mit zunehmender Höhe der Last das Risiko von herunterfallenden Lasten – für den Fahrer und vor allem für andere Personen im Umkreis des Staplers. Eine über einen Zeitraum von 20 Jahren durchgeführte Unfallstudie hat ermittelt, dass 40 Prozent aller tödlich verlaufenden Unfälle mit Staplerbeteiligung auf herunterfallende Lasten zurückzuführen sind. Und bei zwei von drei Unfällen, in denen Stapler involviert waren, wurden nicht die Fahrer, sondern andere Personen verletzt. Die Konsequenzen sind für alle Beteiligten dramatisch, denn auch der Fahrer und dessen Vorgesetzter können bei einem solchen Unfall in die Haftung genommen werden, wenn Fahrlässigkeit als Unfallursache anerkannt wird und die Verantwortlichen daraufhin Schadenersatz leisten müssen.

Unter der angehobenen Last ist kein Platz
Unter der angehobenen Last ist kein Platz: Erhöhte Unfallgefahr
Wichtig: Der Schaden, den eine herunterfallende Last anrichten kann, hängt vor allem von der Fallhöhe und dem Gewicht ab. Ein Gegenstand, der z. B. aus nur zwei Metern Höhe herunterfällt, erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von fast 23 km/h, mit der er auf dem Boden auftrifft. Bei größerer Fallhöhe nimmt diese Geschwindigkeit sogar noch weiter zu.
Elektrostapler TX4 mit Kabine für den Außeneinsatz © UniCarriers
Elektrostapler TX4 mit Kabine für den Außeneinsatz und optimierter Rundumsicht © UniCarriers

Bauartbedingt ist ein vollkommen freies Sichtfeld weder beim Stapler noch bei anderen Fahrzeugen möglich: Die Fahrerkabine, die wichtig für den Schutz des Fahrers bei einem Unfall oder vor herunterfallenden Teilen ist, schränkt die Sicht nach oben und seitlich nach vorne ebenso ein wie beim Rückwärtsfahren. Und der mittig angebrachte Hubmast, der sich zentral im Sichtfeld des Fahrers befindet, schränkt die Sicht nach vorne und auf die unmittelbar vor dem Gerät verlaufende Fahrstrecke ein.

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Moderne Stapler bieten oft ein größeres Sichtfeld

Aus diesem Grund überarbeiten viele Hersteller ihre Modelle und versuchen, die Anzahl der erforderlichen Metallstreben zu reduzieren oder diese bei gleicher Trag- und Belastungsfähigkeit dünner zu gestalten, um so die Einschränkung des Sichtfeldes zu reduzieren. Bereits wenige Zentimeter mehr an jedem Rand des Frontfensters verbessern die Sicht des Fahrers enorm und ermöglichen es ihm, die Fahrstrecke besser zu überblicken.

Sichtoptimiertes Gabelzinkenverstellgeraet © Linde Material Handling
Sichtoptimiertes Gabelzinkenverstellgeraet © Linde Material Handling

Um den Fahrer bei vertikalen Lastbewegungen vor herunterfallenden Gegenständen zu schützen, wird das Dach eines Staplers in der Regel durch Metallstreben gebildet, die jedoch zwei wesentliche Nachteile aufweisen: Zum einen schränken die Streben die Sicht nach oben ein: Je nach Höhe der Last können so gefährliche tote Winkel entstehen, bei denen der Fahrer Lasten dann nur noch „nach Gefühl“ und nicht mit ausreichendem Sichtkontakt ein- oder auslagern kann. Und die Streben sind meist zwar dicht genug angebracht, um etwa eine herabfallende Palette abzulenken, doch wenn z. B. Kleinteile oder kleine Kartonagen von der Palette herunterfallen, werden diese oft nicht zurückgehalten und können sich so zu gefährlichen Projektilen entwickeln. Dabei gilt: Je größer die Fallhöhe, desto mehr Energie hat das Projektil. Daher bietet bei solchen Staplerdächern nur ein Schutzhelm ausreichende Sicherheit.

Keine Fahrt ohne ausreichende Sicht
Keine Fahrt ohne ausreichende Sicht

Damit der Fahrer besser vor herunterfallenden Lasten geschützt und gleichzeitig das Sichtfeld nach oben möglichst wenig eingeschränkt ist, gibt es (beispielsweise beim Staplerhersteller Mitsubishi) seit einigen Jahren ein komplett durchsichtiges Staplerdach für Elektrostapler, das verschiedene Hochleistungsmaterialien kombiniert und so eine komplett geschlossene und dennoch transparente Dachfläche ermöglicht. Die kugelsicheren Scheiben aus Polycarbonat sind etwa um den Faktor 250 stabiler als eine Glasscheibe gleicher Dicke und selbst 30mal stärker als Acrylglas. Das GRENDIA-HI-Vis-Schutzdach konnte sogar den renommierten Award for Excellence 2011, der von der Fork Lift Truck Association in Großbritannien jährlich vergeben wird, in der Kategorie Sicherheit gewinnen. Auch andere Hersteller, darunter Genkinger und Linder, haben inzwischen Modelle im Programm, bei denen zumindest auf Kundenwunsch die übliche Dachverstrebung gegen eine Glasscheibe aus Sicherheitsglas ausgetauscht wird. Hierdurch wird das Sichtfeld erheblich erweitert, und der Fahrer kann auch in kritischen Situationen sicherer manövrieren und besser den Überblick behalten.

Konstruktive Veränderungen für freie Sicht

Auch die Sicht nach vorne wird kontinuierlich verbessert: Linde hat 2016 mit dem Roadster einen geländegängigen Stapler vorgestellt, der komplett ohne A-Säule auskommt. Dadurch wird das vordere Sichtfeld verbreitert, ohne dass die Statik in Mitleidenschaft gezogen wird. Andere Hersteller, z. B. Mitsubishi und STILL, haben das Fertigungsverfahren angepasst und sind nun in der Lage, die Konstruktion des Hubmastes schmaler zu gestalten, was nicht nur das Sichtfeld vergrößert, sondern auch eine höhere Resttragfähigkeit zur Folge hat und weniger Eigenschwingungen verursacht.

Bei schlechter Sicht rückwärts fahren
Bei schlechter Sicht rückwärts fahren

Dennoch können auch konstruktive Verbesserungen nicht das Problem lösen, dass oft die transportierte Last selbst die Sicht des Fahrers einschränkt. Hier bleibt dann nur, den Stapler nicht vor‑, sondern rückwärts zu fahren, was jedoch auf Dauer zu Problemen im Bereich der Hals- und Nackenmuskulatur führt. Abhilfe schafft hier nur ein drehbarer Fahrersitz, der bei Rückwärtsfahrten Nacken, Schultern und Oberschenkel entlastet und so ein ergonomisches und weniger ermüdendes Arbeiten ermöglicht. Viele Hersteller bieten Drehsitze zumindest als optionales Zubehör an. Sie stellen eine lohnenswerte Investition dar, weil sie die Arbeitssicherheit erhöhen und das Auftreten von berufsbedingten Erkrankungen verringern.

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